Herzinsuffizienz

= Herzschwäche

(auch als ausdruckbare Broschüre, als PDF zur Ansicht auf dem Bildschirm Ihres Computers, padBook, kindle-Version und phoneBook erhältlich)


Beschreibung der Erkrankung

Einteilung

Einteilung nach der Form der Herzschwäche

Vorwärts- und Rückwärtsversagen des Herzens:

Jede der beiden Herzkammern (Film links) arbeitet ähnlich wie ein Sack, dessen Wände aus Muskulatur besteht und der 1 Eingang hat, durch den das Blut hinein fließt und 1 Ausgang, aus dem es herausgepumpt wird. Wenn die Muskulatur der Herzkammer geschwächt ist (z.B. durch einen abgelaufenen Herzinfarkt oder eine Herzmuskelerkrankung) kann es nicht genügend Blut pumpen, um die Bedürfnisse des Körpers und seiner Organe zu befriedigen (= Vorwärtsversagen).

Wenn die Wände der Herzkammern dick und unelastisch sind kann sich die Herzkammer nicht genügend mit Blut füllen. Die Blutmenge, die nicht von der Herzkammer aufgenommen und weg gepumpt werden kann staut sich vor dem Eingang der Herzkammer an (= Rückwärtsversagen).

Beide Formen der Herzschwäche (= Herzinsuffizienz) gehen von einem bestimmten Schweregrad an ineinander über, d.h. ein Rückwärtsversagen führt über kurz oder lang zum Vorwärtsversagen, ein Vorwärtsversagen geht sehr schnell in ein Rückwärtsversagen über.

Rechts- und Linksherzinsuffizienz

Das Herz besteht aus dem rechten Teil (mit rechter Vor- und Hauptkammer) und dem linken Teil (mit linker Vor- und Hauptkammer). Wenn der linke Teil geschwächt ist spricht man von Linksherz-, im anderen Fall von Rechtsherzinsuffizienz Arbeiten beide Herzteile geschwächte spricht man von „globaler“ Herzinsuffizienz (global = alle Herzteile betreffend).

Herzschwäche infolge zu niedriger und zu hoher Pumpleistung des Herzens

Wenn das Herz zu schwach arbeitet spricht man von „Herzschwäche infolge zu niedriger Pumpleistung“ oder von „low output-Insuffizienz“.
Es gibt jedoch Veränderungen am Kreislauf, in denen sich Blutgefäße extrem erweitern oder der Sauerstoffbedarf des Körpers extrem ansteigt. In diesen Fällen hat auch ein evtl. gesundes Herz Schwierigkeiten, so kräftig zu pumpen, daß es die erweiterten Blutgefäße füllen kann oder die extremen Sauerstoffbedürfnisse der Organe ausreichend bedienen kann. In diesen Fällen, in denen die Herzleistung „überfordert“ wird spricht man von „Herzschwäche infolge zu hoher Pumpleistung“ oder von „high output-Insuffizienz“.

Einteilung des Schweregrades

Der Schweregrad der Herzschwäche wird nach den Vorschlägen der Vereinigung der New Yorker Herzgesellschaft (= New York Heart Association = NYHA) eingeteilt:

Stadium 1: Keine Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit

Stadium 2: Leichte Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit; normale Tätigkeiten des täglichen Lebens (Spazierengehen, Treppesteigen) führen zu Beschwerden.

Stadium 3: Deutliche Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit; schon kleinere Tätigkeiten des täglichen Lebens führen zu Beschwerden.

Stadium 4: Schwere Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit; Beschwerden schon in körperlicher Ruhe (z.B. beim ruhigen Liegen im Bett).

Einteilung des Verlaufes

Eine Herzschwäche kann sich schleichend entwickeln (= chronische Herzinsuffizienz) oder plötzlich (= akut) entstehen, etwa wenn beim Herzinfarkt (= plötzliches Ereignis) große Teile des Herzmuskels absterben.

Krankheitserscheinungen

Luftnot

Führendes Symptom.

Kreislaufschema

In der Abb. links sehen Sie eine schematische Darstellung des Kreislaufes: Aus dem linken Teil des Herzens (rot gefärbt: Linke Vor- und linke Hauptkammer) fließt das Blut in alle Organe des Körpers. Von hier fließt es zurück zum rechten Teil des Herzens (blau gefärbt: Rechte Vor- und Hauptkammer). Das rechte Herz pumpt das Blut durch die Lungen und von hier aus strömt es wieder zurück zum linken Teil des Herzens. Wenn der linke Teil des Herzens vermindert (d.i. geschwächt) arbeitet dann wird sich das Blut vor seinem Eingang stauen, weil es nicht weg gepumpt werden kann. Vergleichbar ist dies mit einem Stau auf der Autobahn: An der Baustelle können nicht mehr so viele Autos vorbei fahren wie von hinten anrollen. Die Folge ist der Stau vor der Baustelle. Bei einer Schwäche des linken Herzens entsteht der Blutstau daher vor dem linken Herzen, d.h. in den Lungengefäßen.

Die Luftnot entsteht durch diesen Blutstau in den Lungen, die Lunge werden dadurch unelastisch und die Atemarbeit (= Muskelarbeit zur Bewegung des Brustkorbes zum Ein- und Ausatmen) wird gesteigert.

Der Unterschied zwischen krankhafter Luftnot bei Herzschwäche und der „normalen“ Luftnot bei Belastungen gesunder Menschen besteht im Belastungsausmaß, das zur Auslösung der Luftnot führt. Typischerweise berichten Menschen mit Herzschwäche, daß sie mit Eintritt der Krankheit Belastungen nicht mehr durchführen können, die ihnen früher problemlos möglich waren (z.B.: Konnte die Wohnung im 2. Stock früher mühelos erreicht werden, mit Eintritt der Krankheit zwingt Luftnot zur Pause nach dem 1. Stock). Übergänge zwischen „normaler“ Belastungsluftnot gesunder Menschen und Luftnot bei Herzschwäche sind oft fließend und nicht klar zu trennen (z.B. weil infolge zunehmenden Alters die körperlicher Leistungsfähigkeit normalerweise immer abnimmt).
Mit zunehmender Herzschwäche nimmt auch die Luftnot zu. Zunächst tritt sie nur bei sehr starken Anstrengungen, später in Ruhe auf. Bei leichten Formen der Herzschwäche kann man flach auf dem Rücken liegen, bei zunehmender Herzschwäche muß man den Kopf nachts beim Schlafen immer höher legen (durch Kissen), um besser Luft zu bekommen, in schweren Stadien schläft der Erkrankte im Sitzen, weil er ansonsten Erstickungsgefühle hat.

Wasseransammlung

Lungenoedem
    Wenn sich Blut vor dem geschwächten linken Herzen in den Lungen staut kann es zum Austritt von Blutflüssigkeit in das Lungengewebe kommen. Es handelt sich hier um „Gewebswasser“, das nicht mit einer Nadel abgesaugt werden kann (= Lungenödem, Abb. links).

Wenn der rechte Teil des Herzens geschwächt arbeitet kommt es zum Blutstau im gesamten Körper mit Ausnahme der Lungen (zum Verständnis: Siehe Abb. 1 ganz am Anfang). Hierdurch kommt es zu Wasseransammlungen (Gewebswasser) in allen Organen (z.B. Magen, Nieren, Leber). Besonders auffällig ist diese Wasseransammlung in den Beinen (Füße, Knöchel, Unterschenkel vor den Schienbeinen). Der Druck mit dem Finger auf das Schienbein hinterläßt eine mehr oder weniger tiefe Delle. In besonderen Fällen kann es auch zu Wassersammlungen im Brustraum (= Brustfell-Erguß = Pleuraerguß) oder im Bauch (= Aszites) kommen; dieses Wasser kann über eine Nadel abgesaugt werden.

Allgemeine körperliche Schwäche

Unspezifisches Symptom.

Sie entsteht bei fortgeschrittenem Vorwärtsversagen durch eine unzureichende Versorgung der Muskeln des Körpers mit Sauerstoff.

Nächtliches Wasserlassen

Gewebswasser, das sich tagsüber in den Körpergeweben angesammelt hat, wird nachts ausgeschieden. Typischerweise kommt es bei Herzinsuffizienz zu zunehmender Häufigkeit nächtlichen Wasserlassens (manchmal 4 - 5mal). Bei jedem Wasserlassen werden große Menge Urin ausgeschieden.

Andere Symptome

Alpträume und Verwirrung entstehen durch eine verminderte Versorgung des Gehirnes mit Sauerstoff.

Untersuchungsergebnisse

Körperliche Untersuchung

Wasseransammlungen in den Beinen (= Ödeme) sind leicht zu erkennen (Druck auf Schienbein hinterläßt Delle im Gewebe). Die geschwollene Leber läßt sich tasten, Wasseransammlungen im Lungengewebe lassen sich mit dem Stethoskop beim tiefen Einatmen abhören. Die Ansammlung freien Wassers im Brustkorb (Pleuraerguß) läßt sich durch Beklopfen und Abhören der Brust, Wasseransammlungen im Bauch (= Aszites) durch Betasten des Bauches feststellen.
Die Haut ist wegen einer Verengung der Blutgefäße der Haut oft kühl und bläulich.

Manchmal zeigt die körperliche Untersuchung Ursachen der Herzschwäche (z.B. Herzgeräusch bei Herzklappenfehler, Geräusche über Blutgefäßen bei Kurzschlüssen zwischen Arterie und Vene.

Röntgenbild

RoentgenbildDas Röntgenbild zeigt eine oft deutliche Vergrößerung des Herzens und die Wasseransammlungen in Lungengewebe (Abb. 3) und Brustraum.

EKG

Das EKG hilft bei der Feststellung einer Herzschwäche wenig, dient aber zur Feststellung der Ursache (z.B. durch Feststellung einer Infarktnarbe oder einer Herzmuskelverdickung).

Echokardiogramm

Die Echokardiographie ist die wichtigste Untersuchung bei einer Herzschwäche. Sie zeigt nicht nur die Größe und Pumparbeit der Herzkammern, sondern auch die Funktion der Herzklappen oder eventuelle andere Ursache für die Herzschwäche. Im typischen Fall einer Herzmuskelschwäche erkennt man wie in den Filmen unten die Vergrößerung der linken Herzkammer und deren müden Bewegungen. In Fällen, in denen ein Herzklappenfehler Ursache der Herzschwäche ist kann man auch diesen Fehler und seinen Schweregrad erkennen. Mehr Informationen hierzu finden Sie in der Broschüre über die Echokardiographie.

Normale Pumpfunktion der Herzkammer im Echo-Bild

Eingeschränkte Pumpfunktion

Einschwemmkatheteruntersuchung

Siehe „Einschwemmkatheteruntersuchung“.

Mit dieser Untersuchung wird der Blutdruck in der Lungenarterie gemessen. Durch die Stauung des Blutes vor dem geschwächten linken Herzen kommt es zum Anstieg des Blutdruckes in der Lungenarterie. Bei schweren Formen der Herzschwäche ist der Blutdruck schon in Ruhebedingungen erhöht, bei leichteren Formen steigt er erst unter körperlicher Belastung krankhaft an.

Eine Einschwemmkatheteruntersuchung benutzt man, um in Fällen, in denen die Ursache von Luftnot beispielsweise auch nach den anderen hier beschriebenen Untersuchungen unklar geblieben ist weiter abzuklären und um zu klären, ob eine Herzschwäche hierfür verantwortlich ist. Man kann sie auch dazu benutzen, den Schweregrad einer Herzschwäche genau zu definieren, wenn man beispielsweise daran denken muß, eine Herztransplantation vorzunehmen. Die Einschwemmkatheteruntersuchung wird heute mehr und mehr durch eine Spiroergometrie (siehe unten) ersetzt.

Spiroergometrie

Mit einer Spiroergometrie mißt man die Menge der Atemluft, die ein Mensch in Ruhe und unter einer Belastung auf dem Fahrradergometer ein- und ausatmet. Ebenfalls bestimmt man dabei die Menge des Sauerstoffs, den der Körper in Ruhe und unter Belastung aufnimmt und die Menge des Kohlendioxids, das er abgibt. Besonders die Messung der maximalen Sauerstoffaufnahme unter Belastung ermöglicht die Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Körpers und natürlich auch des Herzens und der Lungen. Dabei gilt, daß die Herzschwäche um so schwerer ist desto geringer die maximale Sauerstoffaufnahme des Herzens ist. Mit Hilfe der maximalen Sauerstoffaufnahme unter Belastung kann daher feststellen, wie weit fortgeschritten eine Herzschwäche ist. Die Untersuchung wird ebenso wie die Einschwemmkatheteruntersuchung dazu benutzt, um in Fällen unklarer Luftnot zu klären, ob eine Herzschwäche vorliegt, oder ob eine Bronchial- oder Lungenerkrankung für die Luftnot verantwortlich ist.

Laboruntersuchungen

Blutuntersuchungen sind zur Abklärung der Ursachen einer Herzschwäche nur wenig sinnvoll.

Es gibt allerdings einen Blutwert (BNP = Brain Natriuretic Peptide), der sehr hilfreich ist, in Fällen unklarer Luftnot oder Wasseransammlungen im Gewebe zu klären, ob eine Herzschwäche vorliegt. Wenn dieser Wert normal ist kann man eine Herzschwäche als Ursache der Beschwerden oder Untersuchungsbefunde weitestgehend ausschließen

Eine Vielzahl anderer Meßwerte dient dazu, die Auswirkungen der Herzschwäche auf den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers oder die Nierenfunktion zu untersuchen. Diese Werte sollten daher bei jedem Verdacht auf das Vorliegen einer Herzinsuffizienz bestimmt werden.

Magnetresonanz- (Kernspin-) Tomographie (MRT)

Eine MRT-Untersuchung wird meistens bei Patienten durchgeführt, bei denen eine Echokardiographie wegen schlechter Bildqualität (z.B. infolge Lungenüberblähung oder Übergewicht) keine ausreichende Darstellung des Herzens erlaubt.

Die Kernspintomographie ermöglicht eine genaue Bestimmung der Herzgröße, der Wanddicke der Herzkammern, eines verdickten Herzbeutels. Und sie zeigt die Pumpfunktion der Herzkammern sehr genau (Film links).

Sie kann aber auch dazu benutzt werden, um Narben nach kann Herzmuskelentzündungen darstellen (Abb. links) und ermöglicht die Entdeckung und Größenbestimmung von Herzmuskelnarben (z.B. nach einem Herzinfarkt oder einer Herzmuskelentzündung).

(Abb. links: Darstellung einer Herzmuskelentzündung im Kernspin-CT. Man erkennt sie an der Kontrastmittelspeicherung (= weißen Linien, „late enhancement“) in der Mitte der Herzwand (Pfeile)).

Linksherzkatheteruntersuchung

Film links: Darstellung einer vergrößerten und stark ermüdeten linken Herzkammer bei Herzmuskelerkrankung

Sie hat keine Bedeutung bei der Feststellung der Herzinsuffizienz, erklärt aber oft ihre Ursache. Es handelt sich um eine sehr wichtige Untersuchung, weil ohne ihre Ergebnisse keine ursächliche Behandlung der Herzschwäche erfolgen kann. Beispielsweise können sowohl eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels (Film 4, Abb. links) als auch ein schwerer Herzklappenfehler zur Herzschwäche führen. Die für den Betroffenen zu verspürenden Symptome (Luftnot, Wasseransammlungen in den Beinen) sind identisch, die Behandlung aber völlig unterschiedlich: Eine Durchblutungsstörung kann mittels Ballonerweiterung (PTCA, siehe „Koronare Herzkrankheit“ und „Ballonerweiterung“) behandelt werden, ein Herzklappenfehler durch eine Herzklappenoperation.

Abb. links: Darstellung der linken Herzkranzarterie bei der Herzkatheteruntersuchung. Ein großer Ast der Arterie ist verschlossen (Pfeil rechts oben), ein weiterer Ast hochgradig verengt (Pfeil links unten). Aus dieser Durchblutungsstörung des Herzmuskels resultierte eine schwere Herzschwäche...

Ende der Leseprobe


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