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Es gibt eine Vielzahl an möglichen Ursachen:
Virale Infekte sind die häufigste Ursache. Sie treten oft nach Atemwegsinfekten auf.
Sie sind seltener und werden entweder im Rahmen einer Sepsis oder durch Übergreifen von benachbarten Organen oder Geweben übertragen.
Sie treten meistens nur bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder solchen unter immunsuppressiver Therapie.
Im Rahmen anderer Erkrankungen, z.B. Myokarditis, Endokarditis, Pneumonie, Ösophaguserkrankungen, Aortenaneurysma
Kollagenosen, z.B. Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Sarkoidose
Nach Traumata oder Operationen, z.B. nach Verletzungen des Thorax, Herzoperationen incl. Stenting oder Herzschrittmacher-Implantation
oft hämorrhagischer Perikarderguß durch Infiltration oder Befall des Perikards
Angesichts dieser völlig unterschiedlichen Ursachen muß die Ursache einer Perikarditis n.M. stets abgeklärt werden, um nachfolgend spezifisch behandeln zu können.
Die Perikarditis ist die häufigste Perikarderkrankung (2.7 Fälle auf 100.000 Einwohner). Man schätzt, daß etwa 5% aller Patienten, die sich akuten Brustbeschwerden in der Notfallambulanz des Krankenhauses vorstellen, an einer akuten Perikarditis leiden.
Prognose und Therapie werden entscheidend von der zugrundeliegenden Ätiologie bestimmt.
Bei herkömmlicher Diagnostik werden 80–85 % der akuten Perikarditisfälle als idiopathisch eingestuft, wobei in den meisten Fällen eine virale Entzündung ursächlich ist. Für die restlichen 15–20 % werden in Europa und den USA hauptsächlich Autoimmunerkrankungen (einschließlich des Postkardiotomiesyndroms), aber auch Neoplasien und nach wie vor die Tuberkulose verantwortlich gemacht. Andere bakterielle Erkrankungen spielen nur eine marginale Rolle.
Patienten, bei denen eine Perikarditis zum 1. Mal auftritt, werden in der Regel ins Krankenhaus eingewiesen, um ihre Ursache zu identifizieren und den weiteren Verlauf vor allem im Hinblick auf drohende Komplikationen (vor allem eine Perikardtamponade)) zu beobachten. Erst danach wird eine ursächliche Behandlung der Grunderkrankung und/oder eine symptomatische Behandlung eingeleitet.
Beispiele: Eine bakterielle Perikarditis wird antibiotisch behandelt, wobei die Antibiotika entweder systemisch oder durch eine Perikarddrainage gegeben werden. Oder: Ein Perikarderguß, der nach antituberkulostatischer Therapie persistiert oder erneut auftritt kann auch die Gabe von Steroiden ansprechen. Oder: Ein Perikarderguß im Zusammenhang mit einer Dialyse kann mit der Intensivierung der Hämodialyse, mit intraperikardialer Heparingabe oder dem Wechsel auf eine Peritonealdialyse behandelt werden. Oder: Myxödematöse Ergüsse sprechen gut auf die Gabe von Schilddrüsenhormonen an.
In Abhängigkeit vom klinischen Verlauf und Zustand des Patienten ist aber auch eine ambulante Betreuung durch einen Kardiologen möglich. Wichtig ist nur, daß geklärt wird, ob die Beschwerden durch eine Perikarditis verursacht werden und um welche Form der Perikarditis es sich handelt.
Die typische Symptomatik besteht bei 85 - 90% aller Patienten in scharfen Brustschmerzen, die beim Aufsetzen und Vornüberbeugen abnehmen und beim Einatmen, Hinlegen und beim Schlucken. Verursacht werden sie durch das Reiben des parietalen und viszeralen Perikards.
Die Beschwerden, mit denen sich die Patienten vorstellen sind aber oft uncharakteristisch:
Luftnot kann bei älteren Menschen, bei einer Rechtsherzinsuffizienz oder bei Perikardergüssen bzw. bei Pericarditis constrictiva auftreten.
Ebenfalls werden oft angegeben Palpitationen, Müdigkeit, Schwäche, periphere Ödeme und ein allgemeines Krankheitsgefühl.
Gefragt werden muß in der Anamnese nach möglichen Ursachen bzw. Auslösern, z.B. Virusinfektionen der oberen Luftwege oder des Magen-Darm-Traktes, Drogenkonsum und der Medikation.
In der Familienanamnese wird nach Cardiomyopathien, plötzlichem Herztod und Autoimmunerkrankungen gefragt.
Hier geht es zunächst um die Erfassung des klinischen Zustandes und hier vor allem mum die hämodynamische Stabilität des Patienten. Vor allem die hämodynamische Stabilität entscheidet maßgeblich über die Art und die Geschwindigkeit des weiteren Vorgehens.
| Geräusch 1 |
| Stellen sie den Lautsprecher leise! |
Wichtig ist bei der körperlichen Untersuchung auch die Suche nach Perikardreiben (Geräusch 1) und Zeichen einer oberen Einflußstauung als Ausdruck einer Perikardtamponade:
Bei der Untersuchung des Herzens achtet man auf evtl. Unregelmäßigkeiten des Herzschlages durch Extrasystolen oder Vorhofflimmern.
Zusätzlich werden apparative Untersuchungen durchgeführt:
Das Perikard ist „elektrisch stumm“. Dennoch sind Veränderungen zu erkennen, die darauf zu beziehen sind, daß die perikarditische Entzündung die (äußeren) Schichten des Myokards erfassen. Solche Veränderungen sind:
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| Abb. 1 | Abb. 2 |
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| Abb. 3 |
| elektrisches Alternans |
| Beachten Sie Abl. II, III, aVL, AvF, V1, V3, V4, V5 |
Daneben treten u.U. auch
ventrikuläre Arrhythmien und
Vorhofflimmern
auf, die ebenfalls meistens Ausdruck einer myokarditischen Mitbeteiligung sind.
Als entzündlicher Prozeß führt eine Perikarditis zu Erhöhungen der Biomarker für Entzündung (CRP, Leukozyten mit weißem Blutbild).
Weil die Entzündung oft auch vom viszeralen Blatt (Epikard) auf das angrenzende Myokard übergreift (Perimyokarditis) kann daher auch das Troponin (Biomarker für myokardiale Verletzungen erhöht sein.
Kommt es durch eine große myokardiale Mitbeteiligung zur Herzinsuffizienz findet man ein erhöhtes NT-pro-BNP.
Eine mögliche Ursache eines Perikardergusses ist eine Hypothyreose, weshalb auch die Schilddrüsenfunktion (basales TSH) geprüft werden sollte.
Desweiteren sollten bestimmt werden:
Hier wird gesucht nach einer evtl. Vergrößerung des Herzens und die für einen großen Perikarderguß typischen bocksbeutelartigen Konfiguration der Herzsilhouette (Abb. 4).
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| Abb. 4 | Abb. 5 |
| Röntgen-Thoraxbild einer Perikarditis mit großem Erguß bei einem Patienten nach prothetischem Mitralklappenersatz | Perikard-Verkalkungen (rote Pfeile) |
Auch Verkalkungen des Perikards kann man im Röntgenbild erkennen (Abb. 5), wobei feine und zarte Verkalkungen am besten bei einer Durchleuchtung zu sehen sind.
Routinemäßig wird eine transthorakale Echokardiographie durchgeführt, ein transösophageales Echo (TEE) ist nur in speziellen Situationen notwendig.
Das Echo spielt bei der Diagnose einer Perikarditis, ihrer Ätiologie und ihrer hämodynamischen Auswirkungen eine entscheidende Rolle. Mögliche Befunde sind:
Abb. 6 Abb. 7 Perikarderguß, apikale Sicht PE = Perikarderguß, LA = linker Vorhof, LV = linker Ventrikel, RV = rechter Ventrikel
als auch im M-Mode (Abb. 7).
Bei etwa 40 - 50% aller akuten Perikarditiden sieht man bei der 1. Untersuchung keinen Erguß. Die Entwicklung eines „neuen“ Ergusses oder dessen Größenzunahme im Verlauf sind allerdings ein diagnostisches Kriterium für das Vorliegen einer Perikarditis.
Das Ausmaß eines Ergusses teilt man folgendermaßen ein:
Gering: <10 mm
Mäßig: 10 - 20 mm
Groß: >20 mm.
Diese Vermessung ermöglich auch, den Verlauf des Ergusses im Verlauf zu beobachten.
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| Abb. 8 |
| Kleiner, nur systolisch über der Hinterwand erkennbarer Erguß |
Dieses Phänomen tritt nur bei großen Ergüssen auf und stellt einen Hinweis auf eine Perikardtamponade dar.
Auch sieht man, ob der Erguß evtl. gekammert ist oder ob er Thromben (Film 2) enthält.
| Film 1 | Film 2 |
| swinging heart | Großer Perikarderguß mit Thrombus (gelber Pfeil) |
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| Abb. 9 |
| Erweiterte V. cava inf. |
- Systolischer Kollaps des rechten Vorhofs (Film 3)
Der Kollaps des rechten Vorhofes ist das erste Anzeichen für die hämodynamische Relevanz eines Perikardergusses.
Der Kollaps der Herzkammern wird durch einen negativen transmuralen Druckgradienten (Druck im Perikard höher als in der Herzkammer) verursacht. Man kann ihn schon vor dem Auftreten klinischer Symptome beobachten.
| Film 3 |
Man erkennt ihn am besten in der parasternalen kurzen Achse.
| Film 4 |
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| Abb. 10 |
Der Ausschluß der Tamponade-Kriterien im Echo hat einen hohen negativ prädiktiven Wert (ca. 90%), während hingegen ihr positiv prädiktiver Wert mit 58% deutlich geringer ist.
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| Abb. 11 |
| Verdickung des Perikards gekennzeichnet mit „Herzbeutel“ |
In diesen Fällen ergibt sich oft die Frage, ob diese Perikardverdickung hämodynamische Auswirkungen hat.
Vor allem die DOPPLER-Echokardiographie liefert durch die Untersuchung des Blutflusses durch Mitral- Tricuspidalklappe, der Lungen- und Lebervenen Hinweise auf eine evtl. konstriktive Pathophysiologie bei einer Perikarditis (Perikarditis constrictiva) und hilft bei der Abgrenzung einer perikardial bedingten gegen eine myokardiale Konstriktion (Abb. 12).
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| Abb. 12 |
| pw-DOPPLER-Signale an den links angegebenen Stellen |
Auf die Perikarditis constrictiva gehe ich in einem gesonderten Abschnitt ein.
Die Bedeutung des MRT bei einer Perikarditis ergibt sich aus 3 Faktoren, weshalb es großzügig eingesetzt werden kann und sollte:
Bei der Perikarditis handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung, die zur ödematösen Verdickung und einer Neovaskularisation des Perikards führt. Beides kann man im MRT gut erkennen, wobei die Neovaskularisation in einem perikardialen late enhancement-Phänomen nach Gabe von Gadolinium führt (Abb. 13).
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| Abb. 13 |
| Akute Perikarditis im MRT |
| rot = late enhancement des Perikards blau = kleiner Perikarderguß |
Wenn es im Verlauf der Perikarditis zu einer fibrösen Verdickung des Perikards kommt läßt sich dies im MRT ebenfalls gut darstellen (Abb. 14). Daher hat das MRT einen besonderen Stellenwert bei der Untersuchung konstriktiver Perikarditiden.
| Abb. 14 |
| Chronische Perikarditis im MRT |
| Fokale Verdickung des Perikards über der Hinterwand (Pfeile) |
In vielen Fällen greift die perikardiale Entzündung auch auf das benachbarte Myokard über (Perimyokarditis). Dies zeigt sich im MRT an einem myokardialen Ödem, Hyperämie und Nekrosen bzw. einer Fibrose.
Auch hier kann man ein myokardiales late enhancement nach Gadolinium-Gabe beobachten. Anders als bei ischämisch bedingten Myokardnarben läßt sich das myokardiale late enhancement bei der Perimyokarditis aber nicht dem Versorgungsgebiet einer bestimmten Koronararterie zuordnen (Abb. 15).
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| Abb. 15 |
| Perimyokarditis im MRT |
| Pfeile = myokardiales late enhancement |
Das MRT bietet zudem die Möglichkeit, die Art des Perikardergusses (serös, sanguinolent?) zu erfassen.
Die diagnostische Aussagekraft eines MRT ist am größten, wenn die Untersuchung im frühen Verlauf der Erkrankung (innerhalb von 2 Wochen nach Beginn der Symptomatik) durchgeführt wird.
Das CT hat seine größte Bedeutung bei der Untersuchung konstriktiver Perikarditiden und sollte hier vor allem vor einer Perikardektomie durchgeführt werden, um Ausmaß und Lokalisation evtl. Perikardverkalkungen zu erkennen (Abb. 16).
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| Abb. 16 |
| Perikarditis calcarea im CT |
| Perikardverkalkungen im Perikard über beiden Ventrikeln |
Eine Virusserologie im Blut bei Verdacht auf eine entzündliche Perikarditis wird nicht routinemäßig empfohlen, sondern nur bei Verdacht auf HIV- und Hepatitis C-Infektion.
Perikardpunktionen werden sowohl aus diagnostischer als auch aus therapeutischer Indikation durchgeführt, die Technik ist in beiden Fällen dieselbe.
Auch perkutane Perikarddrainagen erfolgen mittels Perikardpunktion.
Solange eine Perikardpunktion nicht notfallmäßig durchgeführt werden muß wird der Eingriff unter Röntgen- und Echokontrolle durchgeführt, wobei vor allem die Echokontrolle die Sicherheit der Untersuchung steigert. Um den Eingriff erfolgreich und sicher durchzuführen erfolgt er auch unter hämodynamischer Überwachung von Herzrhythmus und arteriellem Blutdruck.
Im Rahmen einer Perikardpunktion, bei der es sich um einem relativ einfachen Vorgang handelt, können auch hämodynamische Messungen vorgenommen werden. Sie wird empfohlen bei Ergüssen von >1 cm Dicke, wenn der Erguß gekammert ist oder wenn es Hinweise auf Fibrin im Erguß gibt.
Eine invasive arterielle Drucküberwachung und eine Messung des intraperikardialen Drucks sind nur bei fraglichem Erguß sinnvoll.
Der Eingriff erfolgt unter streng sterilen Bedingungen, meist unter Ultraschall- oder Röntgenkontrolle. Er erfolgt in folgenden Schritten:
Der Patient wird in Rückenlage mit leicht erhöhtem Oberkörper (ca. 30–450) gelagert.
Nach Desinfiziert und sterilem Abdecken des Punktionsbereiches erfolgt eine Lokalanästhesie von Haut und subkutanem Gewebe.
Zur Punktion benutzt man eine etwas längere Punktionsnadel, die Bestandteil spezieller Perikardpunktionssets ist. Auf die Nadel wird eine Spritze aufgesetzt, um kontinuierlich aspirieren zu können.
Die Punktion erfolgt entweder parasternal im 5. oder 6. ICR links oder (meistens) xiphoidal im Winkel zwischen dem Processus xiphoideus des Sternums und dem linken Rippenbogen. Dabei wird die Nadel im flachen Winkel (ca. 150) in Richtung auf die linke Schulter vorgeführt (Abb. 17).
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| Abb. 17 | |
| aus: Brundage SI, Scott BG, Karmy-Jones R et al: Pericardiocentesis and pericardial window. In Shoemaker WC, Velmahos GC, Demetriades D, editors: Procedures and monitoring for the critically ill, Philadelphia, 2002, Saunders Elsevier | |
Um sicherzustellen, daß die Nadel im Perikard und nicht in einer Herzkammer liegt, kann man eine kleine Menge geschüttelter Kochsalzlösung injizieren und im gleichzeitig durchgeführten Echo beobachten, wo die „Bubbles“ auftauchen.
Die Ableitung elektrischer Impulse von der Spitze der Punktionsnadel ist nicht erforderlich.
Bedeutsame Komplikationen einer Punktion sind Verletzungen von Koronargefäßen und Perforationen des Myokards, wobei vor allem die dünnwandigen Koronarvenen und der rechte Ventrikel ein erhebliches Blutungsrisiko darstellen.
Zu den Komplikationen gehören ebenfalls Punktionen der Pleura und der Lunge, arterielle Hypotonie (oft als Reflexhypotonie), sowie supraventrikuläre und ventrikuläre Arrhythmien.
Vagale Reaktionen als Komplikation der Perikardpunktion werden mit Atropin behandelt.
Unabhängig davon, wie die Perikardflüssigkeit gewonnen wurde sollte sie immer untersucht werden auf Hämatokrit, Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen, Glukose, mikrobiologisch (incl. Blutkultur) und Zytologie, um die Ursache der Perikarditis zu klären.
Mikrobiologische Untersuchungen sollen beim Verdacht auf eine entzündliche Perikarditis-Genese (durch die Anlage einer Kultur) die auslösenden Bakterien identifizieren und bei der Beantwortung der Frage nach dem einzusetzenden Antibiotikums (Frage: „Erreger und Resistenz“) helfen.
Zytologische Untersuchungen helfen bei der Erkennung evtl. maligner Ergüsse.
Bioptisches Material kann durch eine Nadelbiopsie im Rahmen einer Perikardpunktion oder auch bei chirurgischem Vorgehen (Perikardektomie oder Perikardfensterung) gewonnen werden.
Biopsien werden nur in speziellen Fällen durchgeführt, wenn die Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten keinen Erfolg hatte oder wenn der Verdacht auf eine spezielle Ätiologie der Perikarditis (z.B. Perikardtumore oder -metastasen) besteht und dieser Verdacht nicht mit anderen nicht-invasiven Methoden geklärt werden kann.
Bei der Diagnose einer einer „normalen“ Perikarditis spielt eine Herzkatheteruntersuchung keine Rolle.
Anders ist dies allerdings bei einer Perikarditis constrictiva, wo Druckmessungen eine große Rolle spielen.
Bei dieser Erkrankung führt der vernarbte und oft verkalkte Herzbeutel zu einer massiven Behinderung der diastolischen Herzfüllung.
Die Druckkurven im Herzen zeigen hierbei charakteristische Veränderungen, da die Vorhöfe das Blut mit erhöhtem Druck in die starren Ventrikel pressen müssen.
Die wichtigsten hämodynamischen Kriterien einer Pericarditis constrictiva, die während einer Katheteruntersuchung festgestellt werden, umfassen:
Das x-Tal entsteht dadurch, daß sich die Muskulatur des Vorhofes entspannt, vor allem aber dadurch, daß sich die Ventrikel kontrahieren.
Beim gesunden Herzen erfolgt diese Kontraktion überwiegend konzentrisch nach innen und nur z.T. in der Längsrichtung der Ventrikel in Richtung auf die Herzspitze. Weil sich die Ventrikel aber durch das erkrankte verhärtete und unelastische Perikard vermindert konzentrisch kontrahieren können tritt die Verlagerung der Herzbasis in Richtung auf die Herzspitze in den Vordergrund. Hierdurch wird die Sogwirkung im Vorhof verstärkt und das x-Tal wird sehr viel tiefer als im Normalfall.
Das y-Tal entsteht durch den diastolischen Abfluß des Blutes aus dem Vorhof in den Ventrikel. Bei der Perikarditis constrictiva kontrahieren sich die Ventrikel und ziehen dabei das erkrankte Perikard nach innen. Hierdurch entstehen hohe Rückstellkräfte so ähnlich wie bei einem gespannten Gummiband. Nach dem Ende der Ventrikelkontraktion bewirken diese Rückstellkräfte, das der Ventrikel nahezu „aufgerissen“ wird. Dies führt zu einer erheblichen Beschleunigung des frühdiastolischen Bluteinstroms aus dem Vorhof mit einer entsprechend erhöhten Sogwirkung auf das Blut, was wiederum für das tiefe y-Tal verantwortlich ist.
Die Vertiefungen des x- und y-Tals im rechten Vorhof führen zu einer charakteristischen W-Konfiguration der Druckkurve (Abb. 19).
Abb. 19 M-Form (blau) durch vertieftes x- und y-Tal
Abb. 20 blau = Dip-Plateau In der frühen Diastole kommt es zu dem bereits erwähnten sehr schnellen Bluteinfluß aus dem Vorhof in den Ventrikel, was zur Ausbildung des x-Tals führt (siehe oben).
Diese schlagartige Füllung der Ventrikel wird jedoch abrupt durch die Spannung des steifen Perikards blockiert. Dadurch kommt es unmittelbar nach dem x-Tal („Dip“) zum plateauartigen weiteren Druckverlauf.
Angleich der diastolischen Drücke: Bedingt durch den festen Umschluß des Herzens durch das harte und unelastische Perikard gleichen sich die diastolischen Drücke aller vier Herzkammern an. Sie liegen typischerweise höher als bei Gesunden (Abb. 21).
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| Abb. 21 |
| Erhöhte Drücke und diastolischer Druckangleich in linkem (LV), rechtem Ventrikel (RV) und rechtem Vorhof (RA) |
Bei der Perikarditis constrictiva liegen beide Herzkammern in einem engen, starren „Panzer“. Wenn sich der rechte Ventrikel bei der Inspiration verstärkt mit Blut füllt drückt er das interventrikuläre Septum nach außen in Richtung auf den linken Ventrikel. Da sich das gesamte Herzvolumen jedoch wegen des starren Panzers nicht ausdehnen und damit nicht ausreichend füllen kann kommt es zu einem Abfall des systolischen drucks im linken Ventrikel. Man nennt dieses Phänomen „ventrikuläre Interdependenz“: Bei der Einatmung steigt der systolische Druck im rechten Ventrikel an, während er im linken Ventrikel sinkt (Abb. 22).
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| Abb. 22 |
Die invasiven hämodynamischen Messungen sind oftmals entscheidend, wenn bildgebende Verfahren wie Herzultraschall (Echokardiographie) oder MRT keine eindeutigen Ergebnisse liefern.
Es handelt sich um ein minimal-invasives Verfahren zur direkten visuellen Untersuchung von Epi- und Perikard.
Sie wird in der Regel im Rahmen einer Perikardpunktion durchgeführt, um die genaue Ursache unklarer Perikarditiden und/oder -ergüssen abzuklären, also z.B. bei unklaren Perikardergüssen, bei Verdacht auf Tumore und bei Verdacht auf bestimmte Infektionen wie z.B. bei tuberkulöser Perikarditis.
Dabei können aus auffälligen Arealen oder Tumoren Biopsien entnommen werden.
Die Untersuchung ist in spezialisierten Kliniken ab einer Ergußmenge von ca. 200 ml mit nur geringem Risiko möglich.
Die Diagnostik bei dem Verdacht auf das Vorliegen einer Perikarditis verfolgt 4 Ziele:
Weil die Symptome, mit denen sich ein Patient vorstellt, in vielen Fällen uncharakteristisch sind besteht die
Den diagnostischen Ablauf habe ich in Abb. 23 zusammengefaßt:
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| Abb. 22 |
Hierzu werden die oben beschriebenen Untersuchungen durchgeführt.
In den Befunden dieser Untersuchungen gibt es solche, die als „hinweisende Befunde“ bezeichnet werden, weil bei ihrer Feststellung das Vorliegen einer Perikarditis sehr wahrscheinlich ist.
Diese hinweisenden Befunde sind:
Anhand der Anamnese und der oben beschriebenen hinweisenden Befunde kann man die Diagnose einer Perikarditis diagnostisch wie folgt feststellen:
| klinischer Befund | Hinweisende Befunde | |
|---|---|---|
| Definitive Diagnose | + | >1 |
| Perikarditis möglich | + | 1 |
| Perikarditis unwahrscheinlich | + | 0 |
Hierzu gehört die Feststellung, ob ein Perikarderguß hämodynamische Auswirkungen i.S. einer Perikardtamponade verursacht und ob diese Auswirkungen den Patienten akut gefährden.
Die folgenden Symptome und Befunde findet man bei einer akuter Herztamponade:
Unbehandelt kann eine akute Tamponade in einen Kreislaufstillstand übergehen, sodaß in diesen Situationen die Indikation zu sofortigen Perikardpunktion und Entlastung des Ergusses besteht.
Die bei den routinemäßigen Untersuchungen (Anamnese, körperliche Untersuchung, EKG, transthorakales Echo und Labor) erhobenen Befunde werden dahingehend bewertet, ob sie Risikofaktoren für einen schweren Verlauf der Perikarditis mit Komplikationen (vor allem für eine Perikardtamponade) darstellen.
Diese Risikofaktoren sind (nach der europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC, 2025)) die folgenden Kriterien:
Die Abklärung der Ursache einer Perikarditis (siehe oben) ist oft schwierig und kann alle oben genannten Untersuchungsmethoden bis hin zur Perikardpunktion zur Gewinnung von Perikardflüssigkeit erfordern........
Ende der Leseprobe
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jeweils mit Beschreibung der Technik und Komplikationen
In einigen Abschnitten finden Sie Flußdiagramme zu Diagnostik und Therapie.