(auch als ausdruckbare Broschüre, als PDF zur Ansicht auf dem Bildschirm Ihres Computers, padBook, kindle-Version und phoneBook erhältlich)

Einleitung

Herzklappen-Operationen oder die beiden Katheterbehandlungen TAVI bzw. MitraClip® sind heutzutage Standardverfahren. Sie dienen dazu, bei Menschen, die unter schweren Herzklappenfehlern leiden Wohlbefinden wieder herzustellen, körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und Leben zu verlängern.

Das Folgende ist für diejenigen Patienten und ihre Angehörigen geschrieben worden, die sich einer solchen Behandlung unterziehen müssen. Sie kann nicht auf jedes Detail eingehen, soll Ihnen aber ganz allgemein erklären, worum es bei einer solchen Behandlungen geht. Ihr Hausarzt, Ihr Kardiologen oder der Herzchirurg werden Ihnen aber alle Fragen eingehend beantworten, wenn Sie mit Ihnen über diese Behandlungen sprechen.

Was sind Herzklappen?

Art, Aufbau und Funktion der Herzklappen werden im eBook „Aufbau und Funktion des Herzens“ ausführlich beschrieben. Daher hier nur in Kürze:

Die Herzklappen befinden sich innerhalb des Herzens zwischen den Vor- und den Hauptkammern des Herzens und an den Ausgängen der Hauptkammern. Sie bestehen aus feinen Häutchen, die entweder an vielen Fäden aufgehängt sind und sich wie ein Fallschirm entfalten (sog. „Segelklappen“) oder sie sind taschenartig gebaut sind (sog. „Taschenklappen“).

Herzklappen arbeiten als Ventile, indem sie die Fließrichtung des Blutes innerhalb des Herzens regeln. Sie bewirken, daß Blut stets nur aus den Vor- in die Hauptkammern und von den Hauptkammern in die Hauptschlagadern strömt. Sie sollen verhindern, daß Blut, das beispielsweise gerade aus der Vorkammer in die Hauptkammer geflossen ist, wieder zurück in die Vorkammer fließt.

Sehen Sie sich die nachfolgenden Abbildungen und Filme an:

Herzklappen
Abb. 1

In Abb. 1 sehen Sie, wie Herzklappen aussehen.

Film 1
Film 2
Film 3

in Film 2 sehen Sie, wie die Ventile einer Kolbenpumpe funktionieren und in Film 3 schließlich sehen Sie die Öffnung und den Schluß einer Herzklappe in Zeitlupe.

Was sind Herzklappenfehler?

Lesen Sie für weitere Einzelheiten die Broschüre über „Herzklappenfehler“.

Man unterscheidet 2 Formen von Herzklappenfehlern: Die angeborenen und die im Laufe des Lebens erworbenen Fehler.

Angeborene Herzklappenfehler sind im Erwachsenenalter sehr selten, weshalb sie hier nicht genauer beschrieben werden sollen.

Erworbene Herzklappenfehler treten im Laufe des Lebens auf. Die häufigste Ursache von Herzklappenfehlern sind Entzündungen.

Dabei siedeln sich Bakterien, die aus irgendeinem Grunde in die Blutbahn gelangt sind auf den Herzklappen an. Sie führen hier zu einer Entzündung der dünnen, feinen Klappen. Die Klappen werden durch dem Entzündungsprozeß zerstört und selbst wenn die Entzündung abheilt, etwa unter der Behandlung mit Antibiotika (z.B. Penicillin) bleiben sie verdickt und vernarbt zurück (Abb. 2).

gesunde und kranke Herzklappe
Abb. 2: Links gesunde, rechts kranke Aortenklappe

Solche vernarbten Herzklappen werden unbeweglich. Wenn Herzklappen unbeweglich werden, können sie sich nicht mehr richtig öffnen und schließen, so daß Verengungen und Undichtigkeiten entstehen.

Eine weitere häufige Ursache von Herzklappenfehlern sind „Verschleißerscheinungen“. Ein solcher Verschleiß betrifft hauptsächlich die Aortenklappe, durch die das Blut fließen muß, wenn es aus der linken Hauptkammer in die Hauptschlagader und von hier aus in den ganzen Körper fließen muß. Diese Klappe ist im Laufe des Lebens enormen Belastungen ausgesetzt (Herzklappen öffnen und schließen sich im Verlauf eines 80 Jahre langen Lebens etwa 4 Milliarden mal) und bei einigen Menschen kommt es, vor allem im höheren Alter, zu Verkalkungen und Verdickungen dieser Klappe.

Was bewirken solche Herzklappenfehler?

Wenn sich eine Herzklappe verengt, muß das Herz einen oft enormen Druck aufbringen, um das Blut durch diese Klappe hindurch zu pressen. Durch diesen hohen Druck wird der Herzmuskel im Laufe der Zeit geschädigt. Er wird immer dicker, benötigt dadurch immer mehr Sauerstoff und kann durch die Herzkranzgefäße nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Wenn diese Druckbelastung des Herzmuskels lange Zeit anhält, ohne daß sie behandelt wird, wird der Herzmuskel überlastet. Er wird müde und kann das Blut schließlich nicht mehr in ausreichender Menge durch die verengte Klappe pumpen. In einem solchen fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kommt es dann zur Schwäche des ganzen Herzens, die sich mit Luftnot und Wasseransammlungen in Lunge oder Beinen bemerkbar macht. Sehen Sie hierzu auch Film 4.

Film 4

Eine solche Herzschwäche droht auch bei einer Undichtigkeit der Herzklappe. Hier fließt Blut, das das Herz gerade aus seiner Vor- oder Hauptkammer ausgepumpt hat, wieder dorthin zurück, woher es gerade gekommen ist. Auch bei einer solchen Klappenundichtigkeit kommt es im Laufe der Zeit zu einer Überlastung des Herzmuskels, denn das Herz muß das Blut, das es gerade erst gepumpt hat und das durch die undichte Klappe wieder zurück geflossen ist ein zweites Mal auspumpen. In Film 5 wird diese erklärt.

Film 5

Was kann getan werden, um verengte oder undichte Herzklappen wieder funktionsfähig zu machen?

In vielen Fällen, vor allem, wenn der Herzklappenfehler noch nicht allzu weit fortgeschritten ist, kann der Arzt versuchen, mit Medikamenten zu helfen. Er setzt hierzu Medikamente ein, die das Herz kräftigen und die es entlasten und oft muß er auch Medikamente einsetzen, die dem Körper Wasser entziehen. Dieses Wasser entsteht, wenn sich Blut vor geschwächten Herzkammern in den Beinen oder in der Lunge angestaut hat.

Wenn der Herzklappenfehler jedoch ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat ist die Behandlung mit Medikamenten nicht mehr ausreichend. In diesen Fällen muß die fehlerhafte Klappe repariert oder ersetzt werden. Hierzu gibt es grundsätzlich 2 Möglichkeiten:

Die Aortenklappe kann man nicht „reparieren“, bei der Mitralklappe ist dies grundsätzlich möglich. In den meisten Fällen wird man sich allerdings dazu entschließen müssen, die erkrankte Herzklappe gegen eine „Neue“ auszutauschen.

Der Austausch einer Herzklappe wiederum kann auch auf 2 Weisen erfolgen: In Form einer „konventionellen“ Operation oder mit einem Herzkathetereingriff.

Nachfolgend werde ich Ihnen zunächst erklären, wie die einzelnen Eingriffe vor sich gehen.

In einem nächsten Kapitel erkläre ich Ihnen dann, wie entschieden wird, welches Verfahren man am besten anwendet, in einem weiteren Kapitel berichte ich darüber, welche organisatorischen Schritte für die jeweiligen Verfahren notwendig sind und schließlich erfahren Sie etwas über Nachsorge und Rehabilitation.

Was ist der Nutzen solcher Eingriffe?

Der Sinn der verschiedenen Eingriffe besteht darin, den Herzmuskel von seiner schädigenden Mehrarbeit zu entlasten und einer Herzmuskelmüdigkeit vorzubeugen oder eine bereits eingetretene Herzschwäche zu beseitigen oder zumindestens zu verbessern.

Die Normalisierung des Blutflusses im Herzen sollte dazu führen, daß die Luftnot unter Belastung besser wird oder sogar vollständig verschwindet. Man kann wieder leistungsfähiger werden, vielleicht wird man nicht mehr so viele Medikamente einnehmen müssen und das allgemeine Wohlbefinden nimmt in der Regel wieder zu.

Bei Menschen, bei denen die schwere Form eines Herzklappenfehlers vorliegt, soll ein solcher Eingriff das Leben verlängern.

Manchmal stellt man durch die Herzkatheteruntersuchung vor dem Herzklappenersatz fest, daß zusätzlich zu dem Herzklappenfehler auch eine koronare Herzkrankheit mit verengten oder sogar verstopften Herzkranzgefäßen vorliegt.

In diesen Fällen wird man sich bezüglich des Klappenersatzes meistens zu einer „konventionellen“ Herzoperation entschließen, denn hierbei kann nicht nur die Herzklappe „repariert“ oder ausgetauscht werden, sondern es können auch koronare Bypass-Gefäße angelegt werden. Natürlich werden Herzklappe und Bypass-Gefäße in ein und derselben Operation „repariert“.

Ob bei Ihnen „nur“ eine Herzklappen-Operation erforderlich ist oder auch noch Bypass-Gefäße angelegt werden müssen wird Ihnen der Kardiologe nach der Herzkatheteruntersuchung sagen können.

Wenn Sie mehr über eine Bypass-Operation wissen möchten lesen Sie auch die Broschüre „Was Sie über eine Bypass-Operation wissen sollten“, die Sie ebenfalls über die Website www.meinherzdeinherz.info bekommen können.

Ablauf der verschiedenen Verfahren

Konventionelle Klappenersatz

Mit „konventionellem Klappenersatz“ meine ich eine Herzoperation.

Eine Herzklappen-Operation ist ein Eingriff am offenen Herzen.

Der Herzchirurg kann versuchen, die Herzklappe zu „reparieren“, indem er die erkrankte Klappe „rekonstruiert“, gerissene Sehnenfäden (siehe „Herzklappenfehler“) wieder zusammen näht oder die Klappe rafft, sodaß sie besser schließen kann. Dies ist in der Regel aber nur an der Mitralklappe möglich.

Obwohl die Techniken der Herzchirurgen im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer feiner und besser geworden sind kann er solche „klappenerhaltenden“ Operationen nur in sehr wenigen Fällen durchführen, denn Klappen sind, wie Sie oben schon gelesen haben, sehr zarte Gebilde, die durch den Erkrankungsprozeß oftmals grundlegend zerstört wurden. Daher wird es meistens notwendig sein, Herzklappenprothesen einzupflanzen.

verschiedene Klappenprothesen
Abb. 3
Es gibt 2 Arten von Herzklappenprothesen (Abb. 3), die man als Ersatz für die erkrankte Klappe einpflanzen kann: Biologische Klappen oder „künstliche“ Klappen.

Biologische Klappen stammen meistens vom Schwein. Die Herzklappen eines Schweines werden dabei „umgebaut“, auf ein Gerüst aus feinem Draht montiert und hierdurch der Funktion der menschlichen Herzklappe angepaßt.

„Künstliche“ Herzklappen bestehen aus Stoff, Stahl und Kunststoff. Es handelt sich bei den modernen, heutzutage eingesetzten Klappen meistens um 2 kleine halbmondförmige Scheiben, die an Scharnieren angebracht sind und die sich, wie eine Doppeltür in einem Haus, öffnen und schließen.

Die Arbeitsweise beider Klappentypen ist gleich, es gibt aber entscheidende Unterschiede zwischen einer biologischen und einer „künstlichen“ Herzklappe:

Die „künstliche“ Herzklappe wird beispielsweise vom Blut, das durch sie hindurchfließt, als Fremdkörper angesehen. Daher kann es an und in der Klappe zur Entstehung von Blutgerinnseln kommen. Solche Blutgerinnsel können die Klappenprothese beschädigen, indem es etwa zu Verklemmungen der Klappenscharniere kommt. Um eine solche Blutgerinnung innerhalb der Klappenprothese zu verhindern müssen Patienten, die eine solche Klappe bekommen haben, lebenslang mit blutverdünnenden Medikamenten (Marcumar®) behandelt werden (die „neuen Gerinnungshemmer“ sind in diesen Fällen verboten, weil sie die Bildung der Gerinnsel nicht ausreichend verhindern können und daher mit einer hohen Sterblichkeit verbunden sind)..

Biologische Herzklappen werden vom Körper nicht als Fremdkörper erkannt. Es kommt daher an solchen Klappen auch nicht zur Blutgerinnung und daher ist die Marcumar®-Behandlung bei solchen Klappenprothesen nicht notwendig. (Marcumar® ist nur dann erforderlich, wenn neben dem Herzklappenfehler auch eine bestimmte Herzrhythmusstörung (Vorhofflimmern) vorliegt.) Biologische Klappen haben jedoch den Nachteil, daß sie nur etwa 10 - 15 Jahre lang halten, danach verbraucht sind und erneut operativ ausgetauscht werden müssen. Dem Vorteil, kein Marcumar® einnehmen zu müssen, steht also der Nachteil, nach 10 - 15 Jahren erneut operiert werden zu müssen gegenüber.

Ihr Kardiologe und auch der Herzchirurg werden mit Ihnen über die Vor- und Nachteile einer biologischen und „künstlichen“ Herzklappe sprechen und werden Ihnen auch einen Rat mitgeben, welcher Klappentyp der für Sie geeignete ist. Sie müssen sich auch nicht schon vor der Operation zu einer bestimmten Klappe entscheiden; Sie sollten sich allerdings Ihre eigenen Gedanken über die beiden Klappentypen machen und dann mit dem Chirurgen kurz vor der Operation über die Klappe Ihrer Wahl sprechen.

Die Operation wird natürlich in Vollnarkose durchgeführt.

Zunächst wird der Brustkorb eröffnet, indem das Brustbein, d.h. der vordere Längsknochen des Brustkorbes, durchtrennt wird.

Brustschnitte bei Herzoperationen
Abb. 4

Manche Operationen kann man heutzutage als sog. „Schlüsselloch-Operation“ durchführen („minimalinvasive Operation“) (Abb. 4) Dabei bedeuten: 1 = Schnitt durch das Brustbein bei „großer“ OP, 2 = Schnitt durch oberen Teil des Brustbeins bei Schlüsselloch-OP, 3 = Schnitt für Aortenklappen-OP, 4 = Schnitt bei TAVI-Zugang direkt durch die Brust und 5 = Schnitt bei Schlüsselloch-OP für Mitralklappe.

Bei solchen Operationen ist der Schnitt im Brustkorb nur sehr klein, indem entweder nur ein Teil des oberen Brustbeins durchtrennt wird oder die Brusthöhe durch einen Schnitt unterhalb der 2. - 4. Rippe rechts eröffnet wird.

Fragen Sie den Chirurgen, der Sie vor der Operation besuchen wird, danach, ob Ihre Operation als ein solcher „Schlüsselloch-Eingriff“ durchgeführt werden kann. Bei Operationen an der Aortenklappe sind Schlüsselloch-Operationen oft möglich, bei Eingriffen an der Mitralklappe (wegen der Lage der Klappe innerhalb des Herzens) allerdings seltener.

Der Nachteil solcher Schlüsselloch-Operationen ist das naturgemäß eingeschränkte Sichtfeld des Operateurs und die sich hieraus ergebende technische Schwierigkeit beim Zugang zur erkrankten Klappe, was die Operationsdauer verlängern kann.

Durch Fettgewebe und Herzbeutel hindurch wird danach das Herz freigelegt.

Herz-Lungen-Maschine
Abb. 5
Als nächstes wird die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen (Abb. 5). Sie ermöglicht es, das Herz während der Operation anzuhalten, so daß der Chirurg die Herzklappenprothese präzise und in Ruhe annähen kann, ohne daß es während dieses Herzstillstandes zu einem Schaden des Körpers kommt. Die Pumparbeit des Herzens wird dabei von der Herz-Lungen-Maschine übernommen.

Zum Anschluß der Maschine wird ein Plastikschlauch sowohl in die Hauptkörperschlagader als auch in die beiden Hohlvenen eingeführt. Aus den Hohlvenen wird das verbrauchte Körperblut in die Herz-Lungen-Maschine eingesaugt, hier von Kohlendioxid befreit, mit Sauerstoff angereichert, gefiltert, von Luftblasen befreit und schließlich wieder in die Hauptkörperschlagader zurück gepumpt. Die Herz-Lungen-Maschine leitet das Blut also am Herzen vorbei und hält den Kreislauf in Gang, wenn das Herz kurz nach Anschluß der Maschine durch Einspritzung einer eiskalten Speziallösung stillgestellt wird.

Wenn das Herz stillgestellt wurde, eröffnet der Chirurg die Vor- oder die Hauptkammer des Herzens, je nachdem, welche Herzklappe ersetzt oder repariert werden muß. Er schneidet die zerstörte Herzklappe heraus und legt in den Rand des Loches, in das nun die Prothese eingesetzt werden soll, dutzende von feinen Fäden (Abb. 6).

Klappenprothese und Fäden

Abb. 6: Klappenprothese (mit Halte-Stiel) „reitet“ auf vielen feinen Fäden an den Ort ihrer Implantation

An diese Fäden wird nun die Herzklappenprothese angenäht. Wenn die Klappe auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft wurde, wird zunächst die „Arbeitsöffnung“ in der Wand der Vor- oder Hauptkammer des Herzens wieder verschlossen.

Nachdem die Herzklappe eingesetzt wurde und alle Nahtstellen blutdicht sind, wird das Herz durch einen kurzen Elektroschock wieder zum Schlagen angeregt.

Wenn es seine Arbeit wieder aufgenommen hat schaltet man die Herz-Lungen-Maschine langsam wieder ab und Herz und Kreislauf nehmen ihre normale Tätigkeit wieder auf. Zum Abschluß der Operation wird das Brustbein durch Drähte wieder fest und stabil zusammen genäht, ein feines Kabel für einen Sicherheitsschrittmacher angeschlossen, die sogenannten Drainage-Schläuche gelegt, die Hautschnitte am Brustkorb vernäht und die Wunde schließlich mit Verbänden bedeckt.

Unmittelbar nach der Operation kommen Sie in den sogenannten “Aufwachraum”, der sich noch in der Operationsabteilung befindet. Von hier aus werden Sie auf die Intensiv- oder Überwachungsstation gebracht. Erst hier werden Sie langsam wieder wach. Einige Patienten haben unmittelbar nach dem Aufwachen aus der Narkose Schwierigkeiten, Ihre Arme und Beine richtig zu bewegen. Dies liegt an den Nachwirkungen der Narkosemitteln und wird meistens nach kurzer Zeit wieder verschwinden.

Katheterimplantation der Aortenklappe (TAVI)

„TAVI“ ist die Abkürzung für „transcatheter aortic valve implantation“, was soviel bedeutet wie: Implantation einer Herzklappenprothese mittels eines Herzkatheters.

Auch bei diesem Verfahren implantiert man eine künstliche Herzklappe, jedoch erfolgt dies nicht über eine Eröffnung des Brustkorbes wie bei einer konventionellen Herzoperation, sondern mit Hilfe spezieller Herzkatheter. Vereinfacht gesagt geht man folgendermaßen vor:

Das Prinzip einer TAVI-Prozedur sehen in Film 6:

Film 6

Über die Leistenarterie (ebenso wie beim Herzkatheter) wird zunächst ein dünner, aber kräftiger Draht durch die Hauptschlagader (Aorta) bis unmittelbar vor die Herzklappe vorgeschoben. Die Spitze dieses Drahtes wird dann durch die erkrankte Aortenklappe in die linke Herzkammer vorgeführt.

Über diesen Draht steuert der Arzt nun einen dicken Ballonkatheter (bis zu 30 mm dick) in die Klappe und bläst den Ballon hier auf. Dies führt zu einer „Sprengung“ der verengten Klappe.

In einem nächsten Schritt wird der Ballonkatheter entfernt und stattdessen ein dicker Stent eingeführt, der in seinem Inneren eine künstliche Herzklappe trägt. Dieser klappentragende Stent wird nun ebenfalls über den Draht in die soeben gesprengte Aortenklappe vorgeführt. Der Ballon, auf dem der klappentragende Stent sitzt wird nun aufgeblasen, sodaß er in die „Trümmer“ der „alten“ Aortenklappe eingesetzt wird. Wird der Druck aus dem Ballon nun wieder abgelassen bleibt der Stent mit der künstlichen Klappe in seinem Inneren übrig. Alle Gerätschaften werden wieder entfernt und übrig bleibt eine neue Herzklappe, die nun an der Stelle der „alten“ und erkrankten Klappe sitzt.

Die Klappe, die implantiert wurde ist natürlich eine biologische Klappe, denn eine künstliche Klappe aus Stahl könnte man nicht durch die Aufdehnung des Stent entfalten.

Um die neue Klappe exakt (!) an der richtigen Stelle zu plazieren muß man das Herz während der Implantation kurz still stellen. Man macht das, indem man es mit Hilfe eines Herzschrittmachers sehr schnell schlagen läßt (ca. 200 Schläge/min) (Film 7).

Film 7

Sie sehen hier die Implantation einer Aortenklappenprothese mittels TAVI. Sehen Sie, wie die Klappenprothese zunächst in ihrer Endposition eingeführt wird, wiedas Herz dann rasend schnell stimuliert wird, wie während des hierdurch erzeugten „Herzstillstandes“ die Prothese mit Hilfe eines Ballons entfaltet wird und danach der Herzschrittmacher wieder abgeschaltet wird, sodaß das Herz wieder normalschnell schlägt.

Bei einer solch hohen Herzfrequenz pumpt das Herz kaum noch Blut aus und bleibt daher nahezu still stehen, sodaß der Stent mit der neuen Klappe während der Einpflanzung nicht verrutschen kann.

Der Herzklappenfehler, den man mit dieser Technik behandelt betrifft oft ältere Menschen, deren Blutgefäße nicht mehr so gerade und elastisch sind wie die Gefäße jüngerer Menschen. Daher kann es sein, daß man die dicken und relativ starren Katheter mit dem Ballon, dem Stent und der inliegenden Klappenprothese nicht so einfach von der Leiste aus bis zum Herz vorschieben kann. Ob der Weg über die Leistenarterie möglich ist oder nicht wird vor dem Eingriff mit Hilfe einer CT-Darstellung der Hauptschlager und der Arterien der Becken- und Leistenregion untersucht. Verlaufen diese Gefäße zu stark gewunden oder sind die Gefäße selber erkrankt und vielleicht verengt, sodaß die Behandlung auf diese weise nicht möglich sein wird muß kann man einen anderen Weg nehmen:

Dazu muß man (natürlich in Vollnarkose) einen kleinen Schnitt in die Haut über der Herzspitze machen und das Herz (speziell: die linke Herzkammer) dann mit speziellen Kanülen und Zugangsschleusen direkt „betreten“ (Abb. 7).

schnitte bei Herzoperation

Abb. 7 (4 = Schnitt für TAVI)

Auch über diesen Weg kann man schließlich Ballonkatheter und den klappentragenden Stent in die erkrankte Aortenklappe einpflanzen.

Und schließlich gibt es nicht nur Klappenprothesen, die man mit Druck und mit Hilfe eines Ballons einpflanzen kann, sondern es gibt auch Stents, die sich selber entfalten:

Sie befinden sich außerhalb des Zielgebietes in einer Art Schutzhülle. Hat man den Zielort exakt erreicht entfernt man diese Schutzhülle und der Stent entfaltet sich durch seine elastischen Eigenschaften von selber.

In dem Film 6 hatten Sie einen schönen Trickfilm des TAVI-Verfahrens gesehen, wie die Herstellerfilme dieses Implantationssystems (Fa. EDWARDS) gedreht hat und in dem sie Ihnen zeigt, wie die Klappe mit Hilfe eines Ballon-entfaltenden Stents implantiert wird.

Film 7
In Film 8 sehen sie den Film, den die Herstellerfilme MEDTRONIC gedreht hat und in dem sie Ihnen zeigt, wie deren System mit dem selbst entfaltenden Stent funktioniert.

Mitraclip

Bei diesem Verfahren geht es um die Behandlung undichter Mitralklappen (Herzklappe zwischen linker Vor- und linker Hauptkammer).

Solche Undichtigkeiten entstehen heutzutage meistens im Gefolge einer schweren Schädigung der linken Herzkammer, die sich derartig vergrößert und den Ring der Herzklappe dehnt, daß die Klappe nicht mehr richtig schließen kann.

In solchen Fällen kann man versuchen, die undichte Klappe durch kleine Klammern abzudichten, indem man mit den Klammern die beiden Segel der Mitralklappe enger aneinander anlegt. Der Handwerker spricht bei solchen Maßnahmen vom „Tuckern“ und genau das macht man bei diesem Verfahren. Und weil man kleine Klammern („Clips“) verwendet, mit denen man die Mitralklappe behandelt spricht man vom „Mitraclip“-Verfahren.

Es funktioniert nur bei Klappen, die eigentlich gesund sind und die nur mangels Masse nicht mehr in der Lage sind, ausgedehnte Klappenöffnungen zu verschließen; bei solchen Herzklappen, die vernarbt oder andersartig krank sind funktioniert das Verfahren nicht.

Wenn Sie wissen möchten, wie das Verfahren funktioniert sehen Sie sich den folgenden Trickfilm 9 an, den die Firma ABBOTT (Herstellerfirma) angefertigt hat.

Film 8

Der Film zeigt:

  • wie das System durch eine Vene von der Leiste aus in die rechte Vorkammer vorgeführt wird
  • wie dann die Trennwand zwischen rechter und linker Herzkammer durchstoßen wird
  • wie das Clip-Gerät durch diese künstliche Verbindung in die linke Vorkammer oberhalb der Mitralklappe vorgeschoben wird
  • wie der Spezialkatheter mit dem Clip durch die undichte Mitralklappe in die linke Vorkammer geschoben wird
  • wie der Clip geöffnet wird und zurück in die Mitralklappe gezogen wird, wobei er die beiden Segel der Klappe an einer bestimmten Stelle erfaßt
  • wie der Clip geschlossen wird, jedoch noch eine Undichtigkeit der Klappe bestehen bleibt, weil die Position des Clips nicht optimal gelungen ist
  • wie der Clip erneut geöffnet, an einer anderen Stelle plaziert wird, wiederum die beiden Segel der Klappe erfaßt und wieder geschlossen wird.

Wenn der Clip richtig plaziert wurde ist die verbleibende Klappenundichtigkeit (im Idealfall) verschwunden, ansonsten aber deutlich vermindert.

Welches Verfahren wird angewendet?

Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Und er hat auch die Behandlung von Herzklappenfehlern erreicht, indem es heute möglich ist, Herzklappenfehler nicht nur durch Operationen, sondern auch mit Hilfe bestimmter Katheterverfahren zu behandeln, Sie haben oben darüber gelesen.

Na prima, werden Sie jetzt sagen, Chirurgie war gestern, Kathetertechniken sind heute. Ist ja alles ziemlich einfach, geht wahrscheinlich ziemlich schnell und ist noch immer besser als eine Operation.

Wenn man über diese Frage nachdenkt muß man berücksichtigen, daß es sich bei TAVI und Mitraclip-Verfahren und neue Verfahren handelt, deren Risiko für Leben, Gesundheit und Komplikationen sich immer daran messen lassen müssen an dem, was es schon gibt. Und dies ist die Operation.

Betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt also einmal die beiden neuen Verfahren:

TAVI

Operationen haben Risiken, das steht fest. Man weiß, daß das Risiko der Operation steigt, je älter ein Mensch ist, desto müder seine linke Herzkammer arbeitet, in desto schlechterem Allgemeinzustand der Mensch ist und desto mehr Begleiterkrankungen er hat. Man weiß auch, daß das Operationsrisiko steigt, wenn die Herzkranzgefäße bei der koronaren Herzkrankheit oder die Halsschlagadern erkrankt sind.

Einige Patienten sind aus diesen und vielleicht noch anderen Gründen nicht mehr operationsfähig, d.h. eine „konventionelle“ Operation wäre zu riskant. Daher hat man zu Beginn der TAVI-Technik nur solche schwerst kranke, nicht mehr operationsfähige Patienten mit der TAVI-Methode behandelt. Das war immerhin besser als nichts zu tun.

Als man dann festgestellt hat, daß die TAVI bei diesen Menschen sehr gut helfen kann hat man begonnen, auch nicht ganz so kranke Patienten zu behandeln, aber immer noch solche, bei denen das OP-Risiko sehr hoch war. Und auf diesem Stand sind wir heute:

Die großen kardiologischen Fachgesellschaften in Deutschland, Europa und Amerika empfehlen, eine TAVI-Behandlung nur bei solchen Patienten, die „ein erhöhtes Operationsrisiko“ haben (deutsche Fachgesellschaft) bzw. die nicht operationsfähig sind (europäische und amerikanische Fachgesellschaft). Man beginnt allerdings mittlerweile auch mit abgestuften Überlegungen. Hierbei teilt man die Patienten mit einer verengten Aortenklappe in 2 Gruppen ein:

  • Patienten mit deutlich erhöhtem Operationsrisiko und
  • solche mit geringerem Risiko oder jüngere Patienten.

Patienten mit erhöhtem Risiko oder solche, die aufgrund ihres Risikos nicht mehr operativ (d.h. mit konventionellem Klappenersatz) behandelt werden können sollte man auf jeden Fall mittels TAVI behandeln; jedenfalls dann, wenn die Menschen aufgrund ihrer Klappenerkrankung Beschwerden (z.B. Luftnot, Brustschmerzen oder Schwindel bzw. Ohnmachtsanfälle) haben und wenn ihre Lebenserwartung nicht durch eine andere Erkrankung (z.B. eine Tumorerkrankung) stark verkürzt ist.

Patienten mit stark erhöhtem Operationsrisiko, die keine Beschwerden aufgrund ihres Klappenfehlers haben sind keine Kandidaten für eine TAVI, weil man das Risiko der TAVI im Vergleich zu einer konventionellen Herzoperation noch nicht kennt. Es gibt zwar erste vielversprechende Untersuchungen, die das TAVI-Risiko dieser Patienten untersuchen; jedoch umfassen diese Untersuchungen nur wenige tausend Patienten und dies erscheint zu wenig, um die Frage abschließend zu beurteilen.

Menschen mit geringerem Risiko bzw. jüngere Patienten, die prinzipiell die Wahl zwischen einer Operation oder einer TAVI-Prozedur hätten sollten gegenwärtig ebenfalls nicht mit TAVI behandelt werden, weil es auch zu dieser Patientengruppe keine ausreichenden wissenschaftliche Untersuchungen gibt.

Die Zurückhaltung, mit der man der TAVI-Prozedur begegnet hat ihren Grund darin, daß die TAVI Risiken und Komplikationen hat, die man heute (noch) nicht abschließend beurteilen kann, die aber z.T. erheblich sind:

  • Einriß des Herzklappenrings durch die „Gewalt“ der Ballonentfaltung,
  • Durchbohrung der Herzkammer mit dem harten Draht,
  • Verrutschen der Herzklappenprothese,
  • Schlaganfall (durch „Kalk- oder Gewebs-Trümmer“ der alten erkrankten „Originalklappe“, die durch die Ballonentfaltung freigesetzt und mobilisiert werden und die dann vom Blutstrom in Richtung auf das Gehirn fortgerissen werden (Häufigkeit: ca. 3%; Operation: Ca. 5%),
  • Beeinträchtigung der Herzkranzgefäße, die knapp oberhalb der Aortenklappe entspringen und die durch den Stent beschädigt werden können,
  • Notwendigkeit zur Einpflanzung eines dauerhaften Herzschrittmachers, weil der sogenannte av-Knoten in enger Nähe zum Ring der Aortenklappe liegt und durch die Aufweitung der Klappe durch Ballon und künstlicher Klappe geschädigt werden kann, sodaß ein sogenannter „totaler Herzblock“ auftritt (Häufigkeit: 10-20%).

Letztlich ist auch noch nicht ganz klar, wie lange die TAVI-Klappenprothesen halten. Diese Frage gründet darauf, daß operativ implantierte Klappenbioprothesen direkt in ihrer vollen Größe und so implantiert werden, wie sie die Fabrik verlassen haben. TAVI-Prothesen hingegen müssen zusammengequetscht werden und sie entfalten sich erst dann, wenn sie an ihrer Zielposition angekommen sind. Es ist denkbar, daß der Zustand ihres Zusammenquetschens und ihrer Entfaltung zur Implantation die Lebensdauer der Prothese verkürzt. Definitiv bekannt ist dies noch nicht.

Bedenken Sie schließlich auch, daß die Sterblichkeit im Krankenhaus bei der TAVI zwischen 2 und 4% liegt, während bei konventionellen Aortenklappenoperation „nur“ 2% der Patienten starben. Die Sterblichkeit hängt aber sehr stark davon ab, „wie krank“ der zu behandelnde Mensch in seiner Gesamtheit, d.h. auch außerhalb seines Herzklappenfehlers ist.

Alles das soll keinesfalls heißen, daß die TAVI-Methode Gift wäre und daß man besser die Finger davon lassen sollte. Alle Zahlen zu Risiken, Nebenwirkungen und Todesfällen kann man unterschiedlich interpretieren und man kann sicherlich so lange daran herum rechnen, daß letztlich alles kein Problem ist. Die Methode ist sehr viel versprechend, aber sie befindet sich augenblicklich noch in einer Erprobungsphase.

Letztlich geht es bei der Frage, ob Sie sich operieren oder mittels TAVI behandeln lassen sollten also darum, was gefährlicher ist: Operation oder TAVI. Die Antwort auf diese Frage wird in einem sog. „Herzteam“ besprochen.

Hier sitzen sowohl Herzchirurgen als auch Kardiologen zusammen und diskutieren darüber, welches Behandlungsverfahren das für den individuellen Patienten das risikoärmste und das am meisten Erfolg versprechende Verfahren ist. In die Überlegungen dieses Teams geht sicherlich auch Ihr eigener Wunsch ein, aber letztlich können nur diese Spezialisten sagen, welches Verfahren das für Sie Beste ist. Man wird Ihnen diese Meinung des Teams sagen, weil die Entscheidung darüber, was geschehen soll letztlich nur Sie selber fällen müssen.

Auf gar keinen Fall sollte man sich nach einer Herzkatheteruntersuchung „ganz einfach“ zu einem „Klappenersatz mittels Herzkatheter“ schicken lassen, ohne daß der Kardiologe die Möglichkeit eines konventionellen operativen Klappenersatzes nicht wenigstens angesprochen hätte und daß man über die Risiken beider Verfahren gesprochen hätte. Ich kenne einen Kardiologen, der seine Patienten mit höhergradigen Aortenklappenverengungen nahezu routinemäßig zur TAVI wegschickt und der die Alternative (Operation) nicht einmal erwähnt. Und ich kenne einen anderen Kardiologen, der sogar Professor ist, dessen Herzteam in der Anwesenheit eines anderen Kardiologen desselben Krankenhauses besteht. Fragen Sie also immer danach, wer bei der Besprechung des Herzteams anwesend war und ob auch eine persönliche Diskussion dieses Teams stattgefunden hat (Telephonkonferenz gilt in der Regel nicht!).

Widerstehen Sie jedweder Entscheidungshektik („Wir könnten Sie heute noch da oder dort anmelden, dann kommen Sie schon nächste Woche dran“). Bei der Korrektur einer Aortenklappenverengung haben Sie (bis auf wenige Ausnahmen) immer genügend Zeit, um die Entscheidung selber, mit Ihrem Hausarzt oder Ihrem Hauskardiologen zu besprechen.

Wenn Sie Zweifel haben oder wenn die Empfehlung des Herzteams nicht Ihrem eigenen Wunsch entspricht: Holen Sie sich eine 2. Meinung bei Ihrem Hausarzt, Ihrem niedergelassenen Kardiologen, bei anderen Krankenhaus-Kardiologen ein oder sprechen Sie einmal mit einem Herzchirurgen über das Problem. Niemand wird Ihnen böse sein, wenn Sie eine solche Zweitmeinung einholen und wenn er sauer sein sollte dann wäre es ohnehin besser, Sie suchen sich einen anderen Kardiologen.

Niemand, auch kein Universitätsprofessor hat die Weisheit gepachtet und wenn es ein guter Arzt ist dann weiß er das auch. Entscheidend ist, daß der Arzt immer ehrlich (!) abwägt, welche der beiden Behandlungen die Gefährlichere ist: Operation oder TAVI. Und bei dieser ehrlichen (!) Abwägung ist die Erfahrung und die Einschätzung Ihres Kardiologen wichtig.

Ich selber bin nicht mehr der Jüngste, was bedeutet, daß ich im Laufe meines beruflichen Lebens schon von vielen Medikamenten, Operationen oder Kathetereingriffen gehört habe, die alles komplett umkrempeln sollten; eben nach dem Motto: „Operation war gestern, Medikament XY, TAVI oder irgendetwas Anderes ist heute“. Einige dieser Neuerungen haben sich durchgesetzt, viele sind aber in der Versenkung verschwunden und heute spricht niemand mehr darüber. Von der TAVI glaube ich selber, daß sie eine große Zukunft haben wird und vielen Menschen die Operation ersparen wird. Aber das glaube ich, wissen tue ich es erst dann, wenn die Vorteile der Verfahren bewiesen (!!) sind: Bei wem, wann, welche Klappe, welcher Zugangsweg usw.. Fragen Sie daher ruhig nach einer Zweitmeinung und hören Sie die Meinung eines anderen Kardiologen oder Herzchirurgen, bevor Sie sich entscheiden!

Mitraclip®

Für das Mitralclipping gilt dasselbe wie für die TAVI-Behandlung:

Es handelt sich um ein neues Verfahren, dessen Vorteile gegenüber dem bewährten Verfahren einer Operation erst noch bewiesen werden müssen. Daher kommen auch für diese Behandlung zunächst nur solche Patienten in Betracht, bei denen eine Operation das höchstes Risiko hat oder die aus welchen Gründen auch immer nicht zu operieren sind.

Die Frage, ob jemand mit dem Mitraclip-Verfahren behandelt werden sollte ist ebenso wie bei der TAVI das Ergebnis einer Abwägung, welches der beiden Verfahren das Gefährlichere ist. Gerade bei den Undichtigkeiten der Mitralklappe und der Abschätzung des OP-Risikos ist aber zu beachten, daß es 2 „Begleitumstände“ des Klappenfehlers gibt, die das OP-Risiko enorm beeinflussen:

  • Den Zustand des Herzmuskels der linken Kammer und
  • die Frage, ob der Klappenfehler vielleicht durch eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels, vielleicht sogar einen Herzinfarkt verursacht wurde.

In diesen Fällen sind nämlich als Alternativen zu einem prothetischen Ersatz der Klappe auch eine medikamentöse Behandlung und/oder die Implantation spezieller Herzschrittmacher (sog. biVent-Systeme) zu erwägen.

Und es kommt noch etwas dazu, das Sie bedenken müssen, wenn Ihnen der Arzt ein Mitraclip-Verfahren oder eine Operation empfiehlt:

Die Abschätzung des Schweregrades einer Mitralundichtigkeit ist auch für Kardiologen schwer einzuschätzen. Es zählt hier nämlich nicht nur das Ausmaß des Blutrückflusses, wie man ihm im Ultraschall oder bei einer Herzkatheteruntersuchung sieht, sondern gerade beim Mitralklappenfehler zählen auch EKG, Röntgenbild des Herzens, das Geräusch, das der Fehler verursacht und in vielen Fällen auch eine Messung des Blutdrucks in der Lungenschlagader. Hinzu kommt, daß das Mitralclipping nicht bei jedem Mitralfehler erwogen werden sollte, sondern daß es einen Unterschied macht, ob die Klappe und ihre Segel erkrankt, vernarbt oder verkalkt sind (Clipping nicht möglich), ob Sehnenfäden, die für die Schlußfähigkeit der Klappe wichtig sind gerissen sind (Clipping möglich) oder ob die linke Herzkammer infolge einer Herzmuskelmüdigkeit derartig erweitert ist, daß die Mitralklappe undicht geworden ist (Clipping nichts gut möglich).

Alles das macht die Sache sehr kompliziert und ich kann Ihnen nur raten, sich nicht nur auf 1 Arzt zu verlassen, der Ihnen zum Mitralclipping rät, sondern eine 2. Meinung bei einem anderen Arzt einzuholen. Oft wird es auch hilfreich sein, den Chirurgen einer größeren und renommierten Herzklinik zu befragen und sich mit ihm zu unterhalten, auch über das Mitraclip-Verfahren. Denn, anders als das viele glauben, gute Herzchirurgen sind nicht OP-wütig und operieren jeden, der nicht bei 3 auf dem Baum sitzt. Erfahrene Herzchirurgen können auch „Nein“ sagen und Alternativen aufweisen.

Auch im Hinblick auf das Mitralclipping möchte ich nicht dahingehend mißverstanden werden, daß ich diese Methode für Unsinn hielt. Auch hier sehe ich irgendwo gefühlsmäßig einen großen Nutzen, der aber noch zu beweisen (!) ist. Es ist ein Verfahren zur Behandlung hochgradiger (!!) Mitralundichtigkeiten, die auch Beschwerden verursachen. Ebenso wie die TAVI-Behandlung ist es keine Behandlung, die man mal so aus einem Gefühl empfiehlt nach dem Motto: „Ihr Klappenfehler ist ja jetzt noch nicht so schlimm, aber damit er in Zukunft nicht schlimm wird lassen Sie besser heute eine TAVI- / Mitralclip®-Behandlung (Zutreffendes bitte ankreuzen) durchführen.“

Also: Bestehen Sie auch beim darauf, daß die Behandlung im Herzteam zwischen Kardiologen und Herzchirurgen besprochen werden oder suchen Sie selber Kontakt zu einem guten 2. Kardiologen oder Herzchirurgen.

Was zwangsläufig die Frage aufwirft, wo Sie denn einen „guten“ Kardiologen bzw. Herzchirurgen finden. Sie haben 3 Möglichkeiten:

  • Sie sehen sich im Internet um (nicht ernst gemeint!)
  • Sie lesen die Zeitschrift „Fokus“, denn nur der Fokus weiß, welche Ärzte gut sind und das veröffentlicht sie in einer Liste. Was diese Liste taugt weiß aber nur der Fokus-Chefredakteur und der liebe Gott, diese Empfehlung ist also ebenfalls nicht ernst gemeint.
  • Das Vernünftigste ist es, Ihren Hausarzt (!) zu fragen, denn der kennt viele Kollegen und weiß, was in den einzelnen Kliniken und Praxen so gemacht wird. Oder er kennt zumindestens jemanden, der Ihnen sagen kann, wo ein guter Kardiologe bzw. Herzchirurg ist. Und „gut“ bezieht sich dabei nicht auf die handwerklichen Fähigkeiten des jeweiligen Arztes, sondern auf seine Erfahrung und sein Urteilsvermögen. Amen!

Nach den Eingriffen

In einigen Fällen ist es sinnvoll, nach dem Eingriff eine Anschlußheilbehandlung durchzuführen. Dies sollte man immer dann erwägen, wenn

  • eine konventionelle Herzoperation stattgefunden hat,
  • die körperliche Belastbarkeit schon vor dem Eingriff eingeschränkt war (z.B. durch Luftnot) oder
  • wenn man eine Herzklappe bekommen hat oder wenn ein Zustand vorliegt (z.B. Vorhofflimmern), aufgrund dessen Sie Marcumar® einnehmen müssen (lesen Sie hier mehr zum Marcumar®).

Stationäre Anschlußheilbehandlungen finden in speziell ausgestatteten Kliniken statt. Man kümmert sich hier um Patienten, die eine Herzoperation, eine TAVI oder ein Mitralclipping überstanden haben und daher noch etwas geschwächt sind. Hier wird man langsam zunehmend körperlich trainiert und über die Krankheit, die zur Operation, TAVI oder zum Mitralclipping geführt hat informiert. Es werden Ihre Risikofaktoren untersucht und man unterrichtet Sie darüber, was Sie tun können, um diese Risikofaktoren zu normalisieren.

Wenn Sie eine künstliche Herzklappe erhalten haben und wenn Sie blutverdünnende Medikamente (meistens Marcumar®) einnehmen müssen, wird man Ihnen erklären, wie diese Medikamente wirken, wie Sie das Marcumar® dosieren müssen und wie oft Sie Ihre Blutgerinnung kontrollieren lassen sollten („INR-Test“). Man wird Ihnen eventuell anbieten, diese Blutuntersuchungen selber durchzuführen, damit Sie nicht jede Woche oder alle 2 Wochen zum Hausarzt gehen müssen, um dort den Quick-Test durchführen zu lassen.

Es ist keine Pflicht, eine solche Anschlußheilbehandlung durchführen zu lassen. Wenn Sie sie ablehnen wird Ihnen niemand böse sein und Sie werden natürlich auch keinen Repressalien unterworfen. Ich empfehle sie aber immer dann, wenn Sie infolge des Herzklappenfehlers (unabhängig von seiner Behandlung!) geschwächt sind. In einer AHB-Klinik hat man nämlich die personellen und apparativen Möglichkeiten, Sie schnell wieder fit zu machen. Es gibt aber auch viele Menschen, die eine solche AHB, die etwa 3 Wochen dauert, nicht wünschen, weil sie lieber schnell wieder nach Hause möchten. Hiergegen ist nichts einzuwenden. Sie können sich mit Hilfe Ihres Hausarztes oder Ihres Kardiologen und mit einem ambulanten Krankengymnastik-Dienst auch selber wieder fit machen, es dauert nur etwas länger.

Es gibt zudem schon seit langem die Möglichkeit, an einer ambulanten Rehabilitationsmaßnahme teilzunehmen. Informieren Sie sich bei Ihrem Hausarzt oder bei Ihrem Kardiologen über eine solche „ambulante Reha“.

Aus medizinischer Sicht ist es gleichgültig, an welchem Rehabilitationsverfahren Sie teilnehmen: Die stationäre Reha dauert zwar 4 Wochen lang, stellt Ihre Leistungsfähigkeit aber am schnellsten wieder her. Die ambulante Reha dauert etwas länger und die längste Erholungszeit haben Sie, wenn Sie keinerlei spezielles Rehabilitationsprogramm absolvieren, sondern sich „nur“ von einem Krankengymnasten betreuen lassen.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie eine solche Anschlußheilbehandlung absolvieren sollen rate ich Ihnen zu folgendem Vorgehen:

Lassen Sie sich zunächst ruhig zur Anschlußheilbehandlung anmelden. Etwa 8 Tage nach der Operation werden Sie selber am besten feststellen, wie es Ihnen geht: Wenn Sie sich kräftig fühlen und glauben, daß Sie zu Hause gut wieder auf die Beine kommen werden melden Sie die Anschlußheilbehandlung bei der Stationsschwester einfach ab, niemand wird Ihnen böse sein. Wenn Sie glauben, daß Ihnen die Anschlußheilbehandlung doch gut tun wird sagen Sie einfach gar nichts zur Schwester, denn das geht alles den schon vorbereiteten Weg.

Speziell für Menschen nach einer konventionellen Herzoperation gilt aber meine Empfehlung, die Anschlußheilbehandlung nicht unmittelbar nach der Entlassung aus der OP-Klinik schon ambulant zu beginnen. Die Operationswunden schmerzen vielleicht noch ein wenig und man ist durch die Operation meistens noch sehr matt. Die Schmerzen werden nicht heftig sein und die Mattigkeit wird schnell vergehen, aber zu Beginn würde eine ambulante Reha eine Gemeinheit darstellen. Beginnen Sie die Anschlußheilbehandlung daher am besten stationär und wechseln Sie dann (je nachdem wie es Ihnen gehen wird) nach 1 oder 2 Wochen in ein ambulante Verfahren; alle mir bekannten Reha-Kliniken und Krankenkassen lassen dies zu und haben die entsprechenden Vorrichtungen hierzu.

Speziell für Ehefrauen gilt: Drängen Sie Ihren Mann nicht zur Anschlußheilbehandlung! Sprechen Sie einfach mit ihm darüber und vertrauen Sie seinem eigenen Urteil. Er ist erwachsen und weiß am besten, wie er sich nach der Operation fühlt.

Wenn Sie die Durchführung einer stationären oder ambulanten Anschlußheilbehandlung wünschen sollten Sie dem Mitarbeiter des Sozialdienstes mitteilen, in welcher Rentenversicherung Sie versichert sind (LVA, BfA oder privat) und welche Versicherungsnummer Sie haben. Nehmen Sie daher am besten Ihr Sozialversicherungsheft mit in die Klinik.

Das Ergebnis aller Formen der Anschlußheilbehandlung (stationäre oder ambulante Behandlung oder Anschlußheilbehandlung „in Eigeninitiative), nämlich die volle Wiederherstellung Ihrer Leistungsfähigkeit und Ihres Wohlbefinden ist gleich. Dennoch haben die organisierten Formen der Rehabilitation (ambulant oder stationär) Vorteile, denn Sie erfahren hier etwas darüber, wie es zu Ihrer Krankheit gekommen ist und was Sie in Zukunft tun können, um Ihr Herz gesund zu halten. Die Beschaffung solcher Informationen ohne Rehabilitationsverfahren ist zusammen mit Ihrem Hausarzt oder Ihrem Kardiologen zwar auch möglich, aber etwas mühsamer.

Zudem sind Sie nach einer stationären und nachfolgend ambulanten Anschlußheilbehandlung schneller wieder volle auf den Beinen.

Und die Zukunft

Der Eingriff an Ihrer Herzklappe wurde durchgeführt, um Ihnen wieder ein normales und aktives Leben zu ermöglichen. Sie sollten nachher wieder ein erfülltes Berufsleben führen können oder, wenn Sie bereits berentet wurden, Ihre Rente genießen können.

Das Leben mit einer oder mehreren Herzklappenprothesen wird ein vollkommen normales Leben sein. Sie werden Ihre Lebensweise nicht bedeutend verändern müssen. Sie können (und sollen) sich körperlich ein wenig fordern und aktiv leben. Sie werden bemerken, daß es Ihnen nach dem Eingriff wesentlich besser gehen wird als vorher. Um den Erfolg des Eingriffs auch auf Dauer zu erhalten, sollten Sie folgenden Ratschläge beherzigen:

  • Lassen Sie sich regelmäßig von Ihrem Hausarzt und einem Kardiologen untersuchen. Die Funktionsfähigkeit der Herzklappenprothese sollte etwa einmal jährlich überprüft werden.
  • Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt oder von Ihrem Kardiologen beraten, wie stark Sie sich körperlich belasten können. Halten Sie sich an diese Empfehlung und entwickeln Sie keinen übertriebenen sportlichen Ehrgeiz.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder mit Ihrem Kardiologen über die Marcumar®-Kontrollen und vor allem darüber, wie oft sie durchgeführt werden sollten. Halten Sie diese Kontrollintervalle unbedingt ein. Sprechen Sie auch mit Ihrem Hausarzt, Ihrem Kardiologen und Ihrer Krankenkasse über die Möglichkeit, INR-Kontrollen selber durchzuführen
  • Bedenken Sie, daß auch und gerade Herzklappenprothesen nicht davor geschützt sind, sich zu entzünden. Sprechen Sie daher mit Ihrem Hausarzt oder mit Ihrem Kardiologen über die sogenannte „Endokarditis-Prophylaxe“, also die Vorbeugung (= Prophylaxe) einer Herzklappen- oder Herzklappenprothesen-Entzündung (= Endokarditis) (Lesen Sie hierzu auch die Infos zum Thema „Herzentzündungen“). Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt oder Ihrem Kardiologen gegebenenfalls einen Endokarditispaß oder eine Endokarditiskarte aushändigen.
  • Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen und Ihren Arbeitskollegen über Ihre Situation und Ihre vielleicht neuen Bedürfnisse. Viele derjenigen, die Ihnen früher hart, fordernd und gefühllos vorkamen, werden Sie verstehen und Ihnen helfen. Gehen Sie vorsichtig und rücksichtsvoll mit Ihren Mitmenschen um, damit Sie auch vorsichtig und rücksichtsvoll mit Ihnen umgehen.

Verschiedene Fragen

Vor der Krankenhausaufnahme

Welche Vorbereitungen sind zur Operation nötig?

Vor einer Herzoperation, einer TAVI oder einer MitraClip®-Behandlung sind bestimmte Routinevoruntersuchungen notwendig, z.B. die Bestimmung Ihrer Blutgruppe, einige Labortests, Ultraschalluntersuchungen Ihrer Halsschlagadern oder des Bauches. Diese Untersuchungen werden z. T. von Ihrem Hausarzt veranlasst, manchmal werden sie auch kurz vor der Operation bzw. dem Eingriff im Krankenhaus durchgeführt (siehe unten).

Besprechen Sie mit Ihrem Kardiologen, wer die Untersuchungen durchführen wird und wie die Ergebnisse ins Krankenhaus übermittelt werden; in der Regel müssen Sie sich darum nicht kümmern.

Der Film der Herzkatheteruntersuchung wird vom Kardiologen zu den Herzchirurgen geschickt. Ihr Hausarzt oder Kardiologe (fragen Sie Ihren Kardiologen nach den örtlichen Gepflogenheiten!) wird Ihnen auch eine sogenannte “Krankenhauseinweisung” aushändigen, mit der die Berechtigung ausgesprochen wird, sich im Krankenhaus behandeln zu lassen.

Es ist notwendig, daß Sie mit dieser Krankenhauseinweisung zu Ihrer Krankenkasse gehen und die Behandlung hier genehmigen lassen; es handelt sich hierbei um eine reine Formalie, die Krankenkasse lehnt einen solchen Eingriff niemals ab, wenn Ihr Arzt ihn für notwendig angesehen hat. Diese von der Krankenkasse abgezeichnete Krankenhauseinweisung müssen Sie zur Aufnahme mit ins Krankenhaus nehmen.

Wenn Sie konventionell operiert werden sollen dürfen Sie vor einer Herzoperation bestimmte Medikamente, z.B. Aspirin, ASS, Rheuma- oder Schmerzmittel, Kortison oder die Antibabypille eine gewisse Zeit lang nicht einnehmen; um welche Medikamente es sich handelt wird man Ihnen in dem Brief mitteilen, den Sie aus der Herzklinik erhalten werden und mit dem Sie über den Aufnahmetermin informiert werden. Setzen Sie diese Medikamente nicht einfach ab, sondern sprechen Sie zuvor mit Ihrem Hausarzt oder mit Ihrem Kardiologen.

Auch wenn Sie (aus welchen Gründen auch immer) Marcumar® oder ein anderes blutverdünnendes Medikament (z.B. Pradaxa®, Xarelto® o.ä.) einnehmen müssen kann es u.U. notwendig sein, dieses Medikament abzusetzen und manchmal über einen begrenzten Zeitraum gegen Heparin auszutauschen. Welches Verfahren (Absetzen oder Austausch gegen Heparin) erforderlich ist hängt auch davon ab, welcher Eingriff geplant ist. Sprechen Sie auf jedem Fall mit Ihrem Kardiologen darüber, bevor Sie ins Krankenhaus gehen.

Welche Voruntersuchungen sind erforderlich und wer führt sie durch?

Mit den folgenden Untersuchungen klärt Ihr Kardiologe die Schwere des Klappenfehlers und beantwortet die Frage, ob eine Klappe repariert oder ausgetauscht werden muß:

Er übermittel die Untersuchungsergebnis an das Krankenhaus, in dem der Eingriff erfolgen soll.

Zudem gibt es weitere Untersuchungen (z.B. des Blutes (mit Bestimmung der Blutgruppe) und des Urins, eine Röntgenaufnahme der Brust und ein Lungenfunktionstest), die meistens in der Klinik durchgeführt werden, in der die weitere Behandlung mittels konventioneller Operation, TAVI oder Mitralclipping erfolgt. Die Herzkatheteruntersuchung wird aber nicht noch einmal durchgeführt werden wird.

Ganz wichtig ist bei TAVI-Patienten eine MR-Untersuchung des Herzens und der Hauptschlager des Körpers (Aorta).

Die Ergebnisse der MR-Untersuchung benötigt die TAVI-Klinik, um genau zu wissen, wie groß die Klappenprothese sein muß, die eingepflanzt werden soll und ob ein Zugang über die Leistenschlagader möglich ist oder ob dies (z.B. wegen sehr gewundener Blutgefäße) nicht gelingen kann und man den direkten Weg über die Brustwand (siehe oben) nehmen muß.

Ihre persönlichen Vorbereitungen zur Krankenhausbehandlung

Es ist normal, daß man einer solchen Herzoperation ängstlich und aufgeregt entgegen sieht. Sie werden weniger Angst haben, wenn Sie verstehen, warum der Eingriff notwendig ist, was dabei und danach geschieht.

Wenden Sie sich mit Ihren Fragen am besten an den Kardiologen, der Ihnen die Operation empfohlen hat. Später im Krankenhaus steht Ihnen auch der Herzchirurg und die Krankenschwestern zur Verfügung.

Fragen Sie ruhig, denn für den Kardiologen und das Krankenhauspersonal sind Herzklappen-Operationen täglich Routine, für Sie aber ein einmaliges Ereignis im Leben und jeder wird verstehen, wenn Sie Fragen haben und etwas wissen möchten.

Das Drumherum des Eingriffs variiert ein wenig von Krankenhaus zu Krankenhaus, erkundigen Sie sich daher vor der Aufnahme ins Krankenhaus nach

  • den Besuchszeiten,
  • nach den Möglichkeiten, mit einem Herzchirurgen oder (bei TAVI oder MitraClip®:) Kardiologen zu sprechen und nach
  • allen anderen Dingen, die Ihnen im Zusammenhang mit der Eingriff und dem Krankenhausaufenthalt wichtig sind.

Fragen Sie den Herzchirurgen bei geplanter konventioneller Operation vor allem nach den folgenden Punkten:

  • Welche Herzklappe soll eingepflanzt werden? Eine künstliche oder eine biologische? (Bei TAVI immer biologische Klappe)
  • Wird er die Operation mit oder ohne Herz-Lungen-Maschine durchführen?
  • Wird zur Operation der Brustkorb „ganz eröffnet“ oder wird es möglich sein, eine „Schlüsselloch-Operation“ durchzuführen? Siehe oben.
  • In welche „Reha-Klinik“ werden Sie nach der Operation verlegt (siehe weiter unten)?

Was soll ich ins Krankenhaus mitnehmen?

Formulare, Papierkram

  • Krankenhauseinweisung (von der Krankenkasse abgestempelt)
  • Versichertenkarte
  • Zettel mit Ihrer Rentenversicherungsnummer (am besten zu Hause aufschreiben)
  • Liste mit Ihren üblichen Medikamenten

Persönliche Sachen

Rechnen Sie für eine konventionelle Operation mit einem Krankenhausaufenthalt von etwa 10 Tagen, für TAVI oder MitraClip® von ca. 5 - 7 Tagen.

  • Unterwäsche
  • Schlafanzug bzw. Nachthemd
  • Trainingsanzug
  • Unterwäsche
  • Socken
  • bequeme Hose
  • Oberhemd oder Polohemd
  • Kulturbeutel mit üblicher Ausrüstung (Seife, Zahnbürste, Zahnpasta, Rasierzeug, Hautcremes, Deo, Kamm usw.)
  • Musik (kleines Radio mit Kopfhörern, MP3-Player o.ä., ist gut für die Seele)
  • Lektüre (Zeitschriften, Illustrierte, leichte Lektüre (Krimi?), keine Fachlektüre!
  • Kein Handy mitnehmen!!

In welchem Krankenhaus werde ich operiert werden und wer meldet mich an?

Die Entscheidung, daß Sie weiter behandelt werden, hat Ihr Kardiologe gefällt, als er die Herzkatheteruntersuchung durchgeführt hat. Er wird mit Ihnen besprechen, mit welchem Herzteam in welchem Krankenhaus Ihr Fall besprochen werden wird. Daraus ergibt sich dann in der Regel auch das Krankenhaus, in dem der Eingriff vorgenommen werden soll.

Wenn Sie mit der Art des Eingriffs und dem Krankenhaus, in dem er durchgeführt werden soll einverstanden sind, wird er Sie dort anmelden; Sie selber müssen sich zunächst um nichts weiteres kümmern.

Denken Sie daran: Widerstehen Sie jedweder Entscheidungshektik („Wir könnten Sie heute noch da oder dort anmelden, dann kommen Sie schon nächste Woche dran“).

Einige Zeit nach der Anmeldung werden Sie entweder direkt vom Krankenhaus aus, von Ihrem Kardiologen oder Ihrem Hausarzt darüber informiert werden, wann der Aufnahmetermin sein wird. Die Benachrichtigung wird auf jeden Fall rechtzeitig erfolgen, so daß Sie genügend Zeit haben, um sich über Operation und Krankenhaus zu informieren und um alle Vorbereitungen zu treffen.

Soll ich Eigenblut Spenden?

Manchmal muß man während einer Herzoperation Bluttransfusionen bekommen, um die Verluste während der Operation wieder auszugleichen. Damit Sie kein fremdes Blut bekommen müssen, gibt es in den meisten Krankenhäusern die Möglichkeit, einige Wochen vor einer Operation eigenes Blut zu spenden, das aufgehoben und gelagert wird und Ihnen dann im Bedarfsfall bei der Operation wieder zurück gegeben wird. Sprechen Sie mit Ihrem Kardiologen und mit dem Herzchirurgen über die Möglichkeit einer solchen Eigenblutspende, denn Sie ist nicht bei jedermann möglich und bei weitem nicht immer notwendig. Wenn auch Ihr Arzt eine solche Eigenblutspende befürwortet, setzen Sie sich mit der Blutbank des Krankenhauses in Verbindung, an dem Sie operiert werden sollen. Telefonnummer und Ansprechpartner in der Blutbank werden Ihnen meistens zusammen mit dem Aufnahmetermin in die Klinik mitgeteilt werden.

Wenn Sie selber zu den Menschen gehören, die keine Eigenblutspende leisten dürfen, haben Sie keine Angst vor dem fremden Blut, das Sie evtl. bekommen werden. Jede Blutkonserve, die Sie bekommen ist zuvor gründlich auf Infektionsrisiken, also auf Hepatitis (= Gelbsucht) oder AIDS oder andere Gefahren untersucht worden.

Für eine Behandlung mit TAVI oder dem MitraClip® ist eine Eigenblutspende nicht erforderlich.

Vor dem Eingriff

Was geschieht vor der Operation und wann werde ich operiert?

Vor dem Eingriff werden bestimmte Untersuchungen durchgeführt, auf die ich oben schon eingegangen bin. In vielen fällen wurden die Untersuchungen schon zuvor von Ihrem Kardiologen oder dem Krankenhaus, in dem die Herzkatheteruntersuchung erfolgte durchgeführt und ans das Krankenhaus, in dem nun die Behandlung stattfinden soll übermittelt. In diesen Fällen werden hier nur noch wenige Untersuchungen (z.B. ein Röntgenbild des Brustkorbes , Blutuntersuchungen und eine Lungenfunktionsprüfungen) notwendig sein.

Ärgern Sie sich nicht, wenn ein Teil dieser Untersuchungen vorher schon von Ihrem Hausarzt oder von Ihrem Kardiologen durchgeführt wurden. Die Krankenhausärzte benötigen bestimmte Untersuchungen, die sie mit eigenen Augen sehen müssen, um sich ein richtiges Bild von Ihnen machen zu können. Eine Herzkatheteruntersuchung wird jedoch nicht wiederholt werden, denn hier sind die Bilder, die Ihr Kardiologe dem Krankenhaus übermittelt hat, ausreichend.

Sie werden nicht schon am Tage der Aufnahme im Krankenhaus operiert bzw. mittels TAVI oder MitraClip® werden. Den genauen Behandlungstermin, der natürlich noch vom Umfang der Voruntersuchungen abhängt erfahren Sie von der Stationsschwester oder Ihrem Stationsarzt, der den ganzen Operations- bzw. Behandlungsplan der Klinik überblickt. Wenn bereits auswärts alle Voruntersuchungen gemacht wurden werden Sie meistens am Folgetag der Krankenhausaufnahme behandelt werden.

Wer wird mich vor dem Eingriff besuchen und mit mir sprechen?

Die Herzchirurgen oder der Kardiologe werden Sie vor der Operation bzw. der TAVI- oder MitraClip®-Behandlung untersuchen, mit Ihnen die Einzelheiten des Eingriffs besprechen und Ihre Fragen beantworten. Wenn Sie konventionell operiert werden sollen denken Sie daran, mit dem Chirurgen über die Art der bei Ihnen einzusetzenden Herzklappenprothese zu sprechen und ihn zu fragen, ob zusätzlich zur Klappen-Operation auch Bypass-Gefäße angelegt werden müssen.

Auch die Schwestern werden alles tun, um es Ihnen so angenehm wie möglich zu machen, Ihnen Informationen geben und Ihre Fragen beantworten. Sie werden auch Besuch von einem Anästhesisten (d.h. dem Narkosearzt) bekommen, der Sie ebenfalls untersuchen wird und mit Ihnen über die Vorgänge vor, während und nach des Eingriffs sprechen wird. Sie werden von Assistentinnen besucht werden, die Ihnen Blut abnehmen, Venenkatheter einführen und die Ihnen erklären werden, wie sich verhalten sollten, damit die Wunde des Eingriffs möglich schnell und problemlos heilt.

In einigen Fällen werden sie sich vielleicht wundern, warum ein Narkosearzt oder ein Herzchirurg zu Ihnen kommt, um mit Ihnen über eine Operation zu sprechen, auch wenn „nur“ eine TAVI oder ein MitraClip® geplant sind. Er tut dies, weil bei einer TAVI oder MitraClip®-Behandlung die Gefahr besteht, daß es zu einer unvorhersehbaren Komplikation kommt, die dann eine sofortige Herzoperation erfordert. Dies ist zwar nur sehr selten der Fall, aber vorbereitet sein möchte man sicherheitshalber dann doch.

Man wird Ihnen rechtzeitig sagen, an welchem Tag der Eingriff stattfinden wird. Sie werden üblicherweise einige Tage im Voraus geplant und finden meistens pünktlich statt. Trotzdem kann es vorkommen, daß die Operation oder der Eingriff plötzlich verschoben werden muß, z.B. weil ein Notfallpatient angekommen ist. In diesen Fällen werden Sie natürlich den nächst möglichen Termin bekommen.

Was geschieht unmittelbar vor der Operation?

Vor der Operation und manchmal auch vor einer TAVI- oder MitraClip®-Behandlung werden Sie einen Teil Ihres Körpers rasieren müssen und zwar meistens den Brustkorb. Die Schwestern werden Sie wahrscheinlich auch bitten, sich am Vorabend des Eingriffs mit einer speziellen desinfizierenden Seife zu waschen. Diese Maßnahmen sollen das Auftreten von Infektionen verhindern und sie sind im Fall einer TAVI oder MitraClip®-Behandlung Sicherheitsmaßnahmen für den Fall, das eine Operation notwendig werden sollte. Dies ist aber, wie schon gesagt, eine sehr seltene Komplikation.

Sie sollten Wertgegenstände wie Uhr oder Ringe, Brille oder Kontaktlinsen während des Eingriffs nicht in Ihrem Zimmer lassen: Nach einer Operation werden Sie nämlich erst 1 oder 2 Tage nach der Operation, nach TAVI oder MitraClip® spätestens am nächsten Tag in Ihr Zimmer zurück kommen und Ihre Wertgegenstände wären dieser Zeit unbeaufsichtigt. Geben Sie diese Dinge Ihren Angehörigen mit nach Hause und lassen Sie sie sich wieder bringen, wenn Sie wieder auf Ihrem Zimmer liegen.

Am Tage der Operation bzw. des Eingriffs werden Sie Ihre Medikamente wie üblich einnehmen, fragen Sie aber sicherheitshalber die Schwester, die Ihnen die Medikamente bringt, ob alles seine Richtigkeit hat. Etwa eine Stunde vor der Behandlung werden Sie Tabletten bekommen, die Sie beruhigen und etwas schläfrig machen.

Die Schwestern werden Sie dann zeitig in Ihrem Bett in die Operations- bzw. Herzkatheterabteilung bringen. Wenn Sie hier angekommen sind, wird sich der Kardiologe bzw. (bei einer konventionellen Operation) der Narkosearzt um Sie kümmern, Ihnen eine Infusion anlegen und Medikamente einspritzen, durch die Sie einschlafen werden. Von der eigentlichen Herzoperation werden Sie nichts mitbekommen und Sie werden keinerlei Schmerzen haben. Von einer TAVI oder MitraClip®-Behandlung werden Sie wie schon bei der Herzkatheteruntersuchung allenfalls die lokale Betäubung in der Leistengegend verspüren.

Die Operation

Wie lange dauern Herzklappen-Operationen normalerweise?

Eine konventionelle Herzoperationen dauern zwischen 3 und 4 Stunden. Die genaue Dauer hängt davon ab, was während der Operation gemacht werden muß, also z.B. ob “nur” eine Herzklappenprothese eingesetzt werden muß oder ob zusätzlich noch Bypass-Gefäße angelegt werden müssen. Die Operationen unterscheiden sich von Patient zu Patient, so daß die Dauer des Eingriffes nur grob geschätzt werden kann.

Eine TAVI dauert etwa 45 - 60 min. Vom Moment, zu dem Sie in der Herzkatheterabteilung eintreffen bis zum Zeitpunkt, zu dem Sie sie verlassen können werden etwa 2 - 3 Stunden vergehen.

Eine MitraClip®-Behandlung dauert zwischen 1 - 3 Stunden, dies hängt davon ab, wie schwierig es ist, die Clips an der richtigen Stelle zu plazieren.

Was geschieht mit meinen Angehörigen, während ich behandelt werde?

In einigen Krankenhäusern gibt es spezielle Wartezonen, in denen Ihre Angehörigen während des Eingriffs warten können, andere Häuser haben Cafeterias.

Erkundigen Sie sich vor der Behandlung bei Ihrer Stationsschwester, wo Angehörige warten können. Vielleicht ist es besser, wenn Ihre Angehörigen gar nicht im Krankenhaus auf das Ende des Eingriffs warten, denn dieses warten macht oft nervös, was vor allem Angehörige von Patienten betrifft, die konventionelle operiert werden sollen. Erkundigen Sie sich auch hierzu bei Ihrer Stationsschwester, wann und wo Ihre Angehörigen anrufen können um zu erfahren, daß die Behandlung glücklich überstanden ist. Denken Sie hierbei daran, daß die Ärzte oder das Pflegepersonal nicht jedem x-beliebigen Anrufer Auskunft geben dürfen. Hinterlassen Sie also bei der Stationsschwester den Namen des- oder derjenigen, der man Auskunft geben darf.

Bitten Sie die Schwester vielleicht auch einfach, daß sie oder einer Ärzte Ihre Angehörigen zu Hause anruft, um dort sofort vom guten Ausgang der Operation zu berichten, damit Alle beruhigt sind. Ich bin sicher, daß die meisten Kliniken dieser Bitte gerne nachkommen werden.

Nach der Operation im Krankenhaus

Wie fühlt man sich auf der Intensivstation?

Nicht nur nach einer konventionellen Herzoperation, sondern oft auch nach einer TAVI oder MitraClip®-Behandlung werden Sie für kurze Zeit (meistens 1 Nacht) auf die Intensivstation verlegt werden. Dies ist sinnvoll, weil man hier alle personellen und technischen Möglichkeiten hat, Sie rund um die Uhr und minutiös überwachen zu können, damit evtl. auftretende Probleme sofort erkannt und behandelt werden können.

Es ist schwer, auf der Intensivstation ein Gefühl für die Zeit zu bekommen, denn hier ist es immer hell und es herrscht immer geschäftige Aktivität. Dies führt manchmal dazu, daß man sich etwas verwirrt und beunruhigt fühlt. Solche Verwirrungsgefühle können manchmal auch noch durch die schmerzstillenden Medikamente verstärkt werden, die man Ihnen nach der Operation bzw. den Katheterbehandlungen gibt. Nicht jedermann verspürt eine solche Verwirrung; wenn man sie aber bemerkt geht sie schnell wieder vorbei und es bleiben keine dauernden Störungen. Solche Verwirrungszustände vergehen spätestens dann, wenn Sie wieder in die “normale” Umgebung Ihrer Station verlegt worden sind und es um Sie herum wieder ruhiger wird. Sie werden Ihre Gedanken wieder ordnen können, Ihren normalen Schlafrhythmus finden.

Wann kann ich wieder Besuch bekommen?

Dies hängt von den Gepflogenheiten des jeweiligen Krankenhauses ab, erkundigen Sie sich bitte vorher bei Ihrer Stationsschwester.

Spätestens dann, wenn Sie am Tag nach der Herzoperation oder dem Kathetereingriff wieder von der Intensivstation auf Ihr Zimmer verlegt worden sind können Sie wieder Besuch bekommen. Manchmal wird aber auch schon ein kurzer Besuch auf der Intensivstation erlaubt, wenn Sie noch schlafen.

Werde ich Schmerzen haben?

Sie werden ein wenig Schmerzen an den Schnittstellen der Operation haben, also auf der Vorderseite der Brust über dem Brustbein oder in der Leiste. Wenn die Schmerzen stark und unangenehm sind, melden Sie sich bitte bei der Schwester oder dem Pfleger, damit Sie ein Schmerzmittel bekommen. Die Schmerzen nach einer konventionellen Herzoperation sind jedoch bei weitem nicht so schlimm, wie Sie sich das vielleicht vorher vorstellen.

Wie lange werde ich Schmerzen haben?

Die meisten Patienten sagen, Sie würden an den Operationsstellen an der Brust oder den Leisten ein Wundgefühl verspüren, stärkere Schmerzen sind ungewöhnlich und sehr selten.

Das Wundgefühl entsteht meistens durch die Operationsschnitte in der Haut und durch Muskelverkrampfungen. Solche OP-Wunden gibt es ja auch bei TAVI oder MitraClip® in der Leiste wegen der Naht der Schlagader und der darüber liegenden Haut.

Es wird Ihnen helfen, wenn Sie Schulter und Arme viel bewegen und sich die Körperposition aussuchen, die Ihnen am angenehmsten ist. Wenn die Beschwerden unangenehm werden sollten verständigen Sie die Schwester, die Ihnen ein Schmerzmittel geben wird. Die stärkeren Beschwerden werden jedoch nicht länger als etwa 3 Tage andauern.

Was ist mit den Kabeln und Schläuchen, an die ich nach einer Herzoperation angeschlossen werde?

Nach einer Herzoperation und meistens auch nach TAVI oder MitraClip® werden Sie noch für eine kurze Zeit an Schläuche und Kabel angeschlossen sein.:

Ein Infusionskatheter befindet sich meistens in Ihrem Arm. Durch solche Katheter werden Medikamente und Flüssigkeiten gegeben, man kann Blut aus ihnen abnehmen und laufend Ihren Blutdruck kontrollieren.

Nach einer Herzoperation werden ein oder mehrere dicke Schläuche werden aus Ihrem Brustkorb heraus kommen. Durch diese sogenannten “Drainage-Schläuche” werden Flüssigkeiten aus Ihrem Brustkorb abgesaugt, die sich dort während und nach der Operation ansammeln.

Über flache Elektroden auf Ihrer Brust wird Ihr EKG abgeleitet und auf einem Monitor angezeigt, damit die Ärzte und Schwestern jederzeit Ihren Herzschlag und den Rhythmus Ihres Herzens überwachen können.

Am unteren Teil des Brustkorbes werden nach einer Herzoperation darüber hinaus dünne Kabel herausgeleitet, mit denen Ihr Herz elektrisch angeregt werden kann, wenn es einmal kurzfristig zu langsam schlägt (Schrittmacher-Kabel).

Alle diese Kabel, Infusionskatheter und Drainage-Schläuche werden in den ersten Tagen nach dem Eingriff wieder entfernt.

Unmittelbar nach dem Ende der Operation und der Katheterbehandlungen befindet sich ein Beatmungsschlauch in Ihrer Luftröhre. Dieser Schlauch führt vom Mund über den Kehlkopf in die Luftröhre. Über diesen Beatmungsschlauch werden Sie während der Narkose und dem Eingriff künstlich beatmet. Der Schlauch tut nicht weh, denn Sie sind während der Behandlung ja in Narkose. Sobald der Schlauch nicht mehr benötigt wird wird er sofort entfernt werden. Dies geschieht in der Regel innerhalb der ersten Stunden nach dem Eingriff, bevor Sie wieder aufwachen. Es kann aber sein, daß der Schlauch als Fremdkörper den Kehlkopf reizt und daß Sie, wenn Sie wieder aufgewacht sind leichte Halsschmerzen haben. Diese Hals- und manchmal auch Schluckbeschwerden werden aber meistens schon am Morgen danach vergangen sein.

Kann nach einer Herz-Operation Fieber auftreten?

Fieber gibt es nach jeder Operation. Manchmal führt das dazu, daß man heftig schwitzt. Dieses normale Operationsfieber verschwindet nach 3 bis 4 Tagen nach der Operation wieder von selber.

Was kann ich selber tun, um meine Erholung zu fördern?

Bestimmte Atemübungen, bei denen Ihnen speziell ausgebildete Mitarbeiter des Krankenhauses helfen, werden wie etwa tiefes Ein- und Ausatmen und Hustenstöße sind wichtig, um Ihre Erholung voran zu treiben. Durch das Husten werden Lungenentzündungen verhindert und das Husten schadet den Operationswunden nicht.

Viele Patienten haben Angst davor zu husten, weil Sie glauben, es täte dann in der Brust weh. Wenn Sie bei Ihren ersten vorsichtigen Hustenübungen Schmerzen oder andere unangenehme Empfindungen in der Brust bemerken hilft es oft, wenn Sie sich ein Kissen vor der Brust drücken. Husten und die tiefen Atemübungen sind sehr wichtig! Liegen Sie auch nicht allzu lange still und regungslos im Bett, sondern drehen Sie sich auf die Seite, soweit es Ihnen möglich ist. Helfen Sie selber mit, daß Sie wieder beweglich und mobil werden.

Nach einer TAVI- oder MitraClip®-Behandlung sind solche Atemübungen nicht notwendig, hier werden Sie das Bett ja sehr schnell schon wieder verlassen können. In allen Fällen gilt: Je schneller Sie wieder mobil sind desto schneller schreitet auch Ihre Erholung fort.

Wann kann ich wieder essen und trinken?

Wenn erst einmal der Beatmungsschlauch, den Sie für die Narkose bei einer Herzoperation, nach TAVI oder MitraClip® bekommen haben entfernt worden ist, werden Sie wieder trinken können. Wann Sie auch wieder normal essen können, kann man nicht genau vorher sagen, meistens werden Sie aber 1 - 2 Tage nach der Operation und am Tag nachdem TAVI oder dem MitraClip® schon wieder normale Mahlzeiten zu sich nehmen können.

Wann kann ich das Bett verlassen?

Meistens werden Sie schon am Tag nach einer Herzoperation in der Lage sein, mit Hilfe der Schwester oder Krankengymnastin aufzustehen, etwas in Ihrem Zimmer umher zu gehen und in einem Stuhl zu sitzen. Einige Tage später werden Sie schon wieder über die Station gehen können und noch etwas später werden Sie schon Treppe steigen können. Zuerst wird Ihnen die Krankengymnastin bei Ihren kurzen Gängen helfen. Sie werden erstaunt sein, wie schnell Sie wieder umher laufen können.

Nach TAVI oder MitraClip® können Sie das Bett in der Regel schon am folgenden Tag wieder verlassen.

Wann kann ich wieder baden oder duschen?

Sofort nach einer Herzoperation können Sie sich zunächst mit einem Schwamm waschen. Einige Tage nach der Operation ist auch duschen wieder erlaubt, etwa 10 - 12 Tage nach der Operation können Sie auch wieder baden.

Baden und duschen ist nach einer Operation anstrengend, lassen Sie sich daher bei Ihren ersten Versuchen von der Schwester helfen.

Wenn eine TAVI- bzw. MitraClip®-Behandlung über die Leiste durchgeführt wurde ist duschen in der Regel schon nach 5 - 6 Tagen wieder möglich; baden dürfen Sie spätestens dann, wenn die Wundfäden in der Leiste entfernt wurden. Fragen Sie den Kardiologen oder die Schwester danach.

Wie soll ich im Bett liegen?

Unabhängig davon, welcher Eingriff vorgenommen wurde: Es ist nicht gut für Ihre Lungen, wenn Sie lange auf dem Rücken liegen. Liegen Sie so, wie es Ihnen am bequemsten ist und versuchen Sie am besten, auf der Seite zu liegen und sich von Zeit zu Zeit umzudrehen.

Wie heilen die Operationsstellen und wie kann man diese Heilung fördern?

Schon kurz nach einer Herzoperation oder einem Kathetereingriff werden die Verbände entfernt werden und die Operationsstellen kommen an die Luft. Hierdurch können sie besser trocknen. Nach einigen Tagen können Sie die Wunden mit Wasser und Seife waschen; fragen Sie die Schwester nach dem geeigneten Zeitpunkt, wann Sie mit dieser Wäsche beginnen können.

Sie werden vielleicht bemerken, daß Ihre Knöchel etwas geschwollen sein werden. Man wird Ihnen elastische Strümpfe geben, die Sie zu jeder Zeit tragen sollten. Sie unterstützen den Blutkreislauf in den Beinen, vermindern die Schwellungen der Knöchel und verhindern dazu die Entstehung von Blutgerinnseln in den Beinen. Auch kleinere Gänge über den Flur fördern den Blutfluß in den Beinen und unterstützen das Herz.

Fäden und Klammern in der Wunde über dem Brustbein oder in der Leiste werden nach etwa 10 Tage entfernt werden, die Fäden in den Beinen (nur wenn auch Bypass-Gefäße entnommen werden mußten) einige Tage später. Manchmal benutzen die Chirurgen Nahtmaterial, das sich selber auflöst und das nicht gezogen werden muß. Man verklebt die Operationswunde dann mit vielen kleinen Pflasterstreifen. Auch diese Streifen sollten erst nach etwa 12 - 14 Tagen entfernt werden.

Alle Operationswunden werden etwa 6 Wochen benötigen, um vollständig zu verheilen. Während dieser Zeit sollten Sie es vermeiden, schwere Gegenstände zu tragen, denn dies würde vor allem die Naht des Brustbeines und in der Leiste stark belasten.

Die Farbe der Operationswunden wird sich von dunkelblau bis violett über rot nach rosa verändern und einige Monate nach dem Eingriff wird die Hautfarbe wieder (fast) normal sein.

Benutzen Sie keine Wundsalben, um die Heilung zu beschleunigen oder das kosmetische Ergebnis zu verbessern. Wenn Ihnen die Narben “nicht gefallen” sprechen Sie eine Schwester, den Stationsarzt oder später zu Hause Ihren Hausarzt oder Ihren Kardiologen an; vielleicht kann Ihnen ja jemand doch eine geeignete Salbe empfehlen.

Wie schnell werden sich meine Kräfte wieder erholen?

Während Ihres Aufenthaltes in der Klinik werden Sie gute und schlechte Tage haben, aber Sie werden auch bemerken, daß Ihre Kräfte und Ihr Wohlbefinden von Tag zu Tag zunehmen. Nach einer TAVI oder MitraClip®-Behandlung erholen Sie sich natürlich schneller als nach einer konventionellen Herzoperation, aber auch hier werden Sie merken, daß alles schneller geht als Sie sich das vorher vielleicht vorgestellt haben.

Wie lange werde ich nach der Operation im Krankenhaus bleiben?

Nach einer Herzoperation bleibt man meistens 2 Wochen, nach TAVI oder MitraClip® 1-3 Tage im Krankenhaus und wird dann entweder nach Hause oder in eine spezielle Rehabilitationsklinik verlegt. Einige Krankenkassen erlauben es, nach einer Operation ambulant rehabilitiert zu werden.

Sprechen Sie Ihren Kardiologen vor der Aufnahme ins Krankenhaus ruhig darauf an, wenn Sie sich über diese Möglichkeit informieren möchten, lesen Sie aber hierüber später etwas mehr.

Wohin komme ich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus?

Kurz nachdem Sie im Krankenhaus aufgenommen worden sind, werden Sie Besuch von einem Mitarbeiter des Sozialdienstes bekommen. Er oder Ihr Stationsarzt werden Sie danach befragen, ob Sie nach der Krankenhausbehandlung eine “Anschlußheilbehandlung” (= AHB) wünschen und ob diese AHB-Maßnahme stationär oder ambulant sein soll.

Lesen Sie bezüglich einer Anschlußheilbehandlung auch das spezielle Kapitel hierzu (hier klicken).

Wie komme ich nach Hause oder in die AHB-Klinik?

Wenn Sie wieder nach Hause entlassen werden, wird sich der Arzt überlegen, ob Sie von Ihren Angehörigen mit einem normalen PKW abgeholt werden können, ob eine Taxifahrt nach Hause in Frage kommt oder ob es besser ist, Sie von einem Krankentransportdienst fahren zu lassen. Dasselbe gilt natürlich auch für die Fahrt vom Krankenhaus oder von zu Hause zur AHB-Klinik. Ausschlaggebend für solche Überlegungen sind stets Ihr Befinden und Ihr Zustand. Arzt oder Stationsschwester werden die Frage des Transportes rechtzeitig mit Ihnen besprechen.

Nach der Entlassung

Wie werde ich mich fühlen, wenn ich wieder nach Hause komme?

Wenn Sie aus dem Krankenhaus nach Hause oder in eine AHB-Klinik entlassen wurden, werden Sie sich noch schwach fühlen. Ein gesunder Student, der 1 Woche lang im Bett liegt verliert hierbei 15 % seiner Muskelkraft. Daher ist es kein Wunder, wenn Sie sich nach einer (nach einer Herzoperation) etwa 3 - 4 Wochen dauernden Krankenhausbehandlung müde und schwach fühlen werden, wenn Sie wieder mit Ihrem gewohnten Tagesablauf beginnen möchten.

Es kommt dazu, daß auch der Heilprozeß einer Wunden nach einer konventionellen Herzoperation große Kräfte und viel Energie verzehrt. Auch hierdurch werden Sie geschwächt. Der Energiebedarf Ihres Körpers wird aber 3 - 4 Wochen nach der Operation wieder abnehmen und sich normalisieren. Sie werden sich dann besser und kräftiger fühlen.

Nach TAVI oder MitraClip®-Behandlungen und der hierbei nur sehr kurz notwendigen körperlichen Inaktivität ist dies natürlich anders, hier geht alles viel schneller.

Körperliche Belastungen und leichter Sport tragen viel dazu bei, daß Sie wieder kräftiger werden. Speziell Spaziergänge tun Patienten gut, die eine Herzklappen-Operation hinter sich haben. Sie sollten dabei zunächst mit kurzen Spaziergängen beginnen und langsam und gemütlich gehen. Dauer und Geschwindigkeit der Spaziergänge können Sie dann nach eigenem Ermessen immer weiter steigern. Übertreiben Sie es aber nicht.

Sie werden vielleicht das Gefühl haben, als ginge es mit Ihrer Kondition nicht schnell genug, Sie werden ungeduldig und vielleicht wird Sie dies deprimieren. Sprechen Sie mit Ihrem Ehepartner, mit Ihren Kindern und Freunden, mit Ihrem Hausarzt oder mit Ihrem Kardiologen hierüber und Sie werden erfahren, daß Ihre Genesung schon weiter fortgeschritten ist als Sie dies selber von sich glauben. Körperliche Tätigkeiten z.B. im Garten, Spaziergänge usw. tragen hier übrigens viel dazu bei, solche Gedanken zu vertreiben.

Viele Menschen werden ängstlich, ungeduldig, wütend mit Ihren Angehörigen umgehen oder Sie wirken frustriert. Beunruhigen Sie sich nicht, dies vergeht nach einigen Wochen, wenn Sie erst wieder ein normales Leben führen.

Warum kann ich gemischte Gefühle haben, wenn ich wieder nach Hause komme?

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn Sie sich unsicher und vielleicht auch etwas deprimiert fühlen, wenn Sie wieder nach Hause entlassen werden. Manchmal werden solche gemischten Gefühle dadurch hervorgerufen, daß Sie die Sicherheit des Krankenhauses mit seinem erfahrenen Ärzte- und Pflegeteam und seinen technischen Apparaten verlassen. Die weitere Versorgung zu Hause erscheint einem dann manchmal unsicher und ungewiß. Zu solchen Befürchtungen besteht aber kein Anlaß, denn Sie werden nur dann entlassen, wenn Ihr Arzt glaubt, daß Ihr Zustand stabil ist und daß eine weitere Genesung zu Hause oder in einer AHB-Klinik problemlos möglich ist.

Muß ich eine spezielle Diät essen?

Der Arzt im Krankenhaus wird Ihnen im Verlauf der Erholungsphase nach der Operation oder dem Kathetereingriff erklären, ob Sie eine spezielle Diät benötigen oder nicht; in der Regel ist dies nicht notwendig (jedenfalls solange nicht, wie Sie kein Marcumar® einnehmen müssen oder dies aus anderen Gründen (z.B. Übergewicht, Cholesterinerhöhung usw.) erforderlich wäre.

Genaue Informationen über solche Diäten erhalten Sie auch während einer eventuell notwendigen Anschlußheilbehandlung. Hier hat man zudem die Möglichkeit, eine genaue individuelle Ernährungsberatung für Sie und Ihre Angehörigen durchzuführen. Dieselben Möglichkeiten einer solchen Beratung haben Sie aber auch, wenn Sie keine Anschlußheilbehandlung wünschen. Setzen Sie sich mit Ihrem Hausarzt oder mit Ihrem Kardiologen in Verbindung, damit sie Sie mit einer Diätberatung zusammen bringen können.

Eine spezielle Diät ist nicht notwendig, selbst wenn Sie mit Marcumar® behandelt werden müssen. Sie sollten allerdings wissen, daß die Wirkung des Marcumar® durch Vitamin K beeinflußt wird. Vitamin K wiederum ist in zahlreichen Lebensmitteln enthalten, sodaß Sie letztlich über die Ernährung die Qualität Ihrer Blutgerinnungshemmung beeinflussen können. Da die Hemmung der Blutgerinnung jedoch für die dauerhafte Funktionsfähigkeit bestimmter Herzklappenprothese von großer Bedeutung ist wird somit auch die Ernährung von Bedeutung.

Die meisten Menschen haben Angst vor dem Marcumar®, u.a. deshalb, weil sie nicht wissen, welche Lebensmittel die Wirkung dieses Medikamentes ungünstig beeinflussen. Lassen Sie sich während der AHB oder von Ihrem Hausarzt über die „Ernährung unter Marcumar®“ beraten oder sprechen Sie mit einem Mitarbeiter Ihrer Krankenkasse, ob er Sie einmal mit einem Ernährungsberater zusammen bringen kann. In der Regel erhalten Sie aber während einer ambulanten oder stationären AHB-Maßnahme alle Informationen, die Sie benötigen, um sich gesund und vernünftig zu ernähren. Augenmaß, gesunder Menschenverstand und eine gewisse Mäßigung sind die besten Ratgeber einer gesunden Ernährung.

Wenn Sie möchten können Sie sich auch eine kleine Broschüre besorgen, die ich geschrieben habe, um Sie über eine Marcumarbehandlung und den Vitamin K-Gehalt zahlreicher Lebensmittel zu informieren. Sie können diese Broschüre aus dem Internet bekommen, wenn Sie hier klicken.

Muß ich nach der Operation noch Medikamente einnehmen?

Ob Sie Medikamente einnehmen müssen oder nicht und ob dies vielleicht ganz andere Medikamente als vor der Behandlung sind wird Ihr Kardiologe Ihnen erklären, wenn Sie ihn nachfolgend zum ersten Mal wieder aufsuchen sollten. Auch die Ärzte in der Anschlußheilbehandlungs-Klinik werden überprüfen, ob und welche Medikamente Sie einnehmen müssen, denn Sie können Ihren Genesungsprozeß von Tag zu Tag verfolgen. Nehmen Sie nur diejenigen Medikamente ein, die Ihnen die Ärzte in der AHB-Klinik, Ihr Hausarzt und Ihr Kardiologe Ihnen verschreiben. Nehmen Sie keine Hausmittelchen ein, von denen Sie vielleicht Gutes gehört haben, sondern fragen Sie immer erst einen Arzt.

Wann sollte ich wieder einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie Anzeichen einer Entzündung an den Operationswunden bemerken (Rötung oder Ausfluß aus der Wunde), wenn Fieber, Schüttelfrost, zunehmende Müdigkeit, Luftnot, geschwollene Knöchel, Gewichtszunahme von mehr als 3 Pfund in ein paar Tagen auftreten, wenn Sie Veränderungen Ihres Herzschlages oder Herzstolpern bemerken oder wenn Ihnen irgend etwas auffällt, das Sie beunruhigt oder das Sie sich nicht erklären können, suchen Sie Ihren Hausarzt oder Ihren Kardiologen auf.

Wann kann ich wieder zur Arbeit gehen?

Menschen, die in ihrem Beruf schwer arbeiten müssen sollten 6 - 8 Wochen nach einer Herzoperation (bzw. etwa 1 Woche nach dem Ende einer Anschlußheilbehandlung) noch nicht wieder zur Arbeit gehen. Wenn Sie eine TAVI oder MitraClip®-Behandlung hinter sich haben sprechen Sie den Kardiologen in dem Krankenhaus an, in dem die Katheterbehandlung durchgeführt worden ist. Die Frage, wann Sie wieder arbeiten können hängt in diesen Fällen nämlich nicht vom Eingriff, sondern vom Zustand des Herzens nach dem Eingriff ab.

Menschen, die nicht so schwer arbeiten müssen können 4 - 5 Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus (bzw. sofort nach der Entlassung aus der AHB-Klinik) wieder arbeiten. Wenn Sie sich für eine ambulante Rehabilitation entschieden haben, kann der Wiedereinstieg ins Berufsleben flexibler gestaltet werden. Sie können hier langsam mit der Arbeit beginnen und gleichzeitig noch am Rehabilitationsprogramm teilnehmen.

Soll ich mich einer Herzsportgruppe anschließen?

Koronarsport ist eine relativ angenehme Art, sich regelmäßig etwas zu bewegen, auch wenn man wieder zu seinem normalen Leben zurück gekehrt ist.

Man trifft sich hierzu einmal in der Woche zusammen mit anderen Menschen, die ebenfalls am Herzen operiert wurden oder die einen Herzinfarkt erlitten haben, um ein wenig Sport zu betreiben. Die Teilnahme am Koronarsport ist für alle solche Menschen sinnvoll, die sich in ihrem täglichen Leben nicht viel bewegen müssen und die nicht aus eigenem Antrieb einen Sport betreiben. Koronarsport ist gesellig und kann Spaß machen.

Wenn Sie am Koronarsport teilnehmen möchten, erkundigen Sie sich zunächst bei Ihrem Hausarzt oder bei Ihrem Kardiologen, wer in Ihrer Stadt solche Sportgruppen organisiert.

Sie benötigen zur Teilnahme, die übrigens für eine bestimmte Zeit nach einer Operation kostenlos ist eine Befürwortung Ihres Hausarztes oder Kardiologen. Ob auch nach einer TAVI oder MitraClip®-Behandlung eine Anschlußheilbehandlung sinnvoll ist entscheidet der Kardiologe in dem behandelnden Krankenhaus bzw. Ihr Hausarzt oder Kardiologe. Sollte eine solche Behandlung erforderlich sein wird Ihre Krankenkasse dies auch anstandslos akzeptieren.

Besorgen Sie sich bei den Organisatoren des Koronarsports das “Teilnahmeformular” und lassen Sie es durch Ihren Kardiologen oder Hausarzt ausfüllen. Er muß hierzu ein Belastungs-EKG durchführen und die Ergebnisse in das Formular eintragen.

Mit dem ausgefüllten Formular gehen Sie dann zu Ihrer Krankenkasse und lassen sich die Berechtigung zur Teilnahme bestätigen. Danach werden Sie von den Organisatoren der Sportgruppen aufgenommen und einer Sportgruppe zugeteilt.

Die Voraussetzungen für die Teilnahme am Koronarsport haben sich in der letzten Zeit geändert:

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Koronarsport nach den heute geltenden Richtlinien aber nur für 90 Übungseinheiten, d.h. für 90 Sportstunden. Danach muß man die Kosten selber tragen.

Machen Sie sich hierüber aber zunächst keine Gedanken, denn nach 90 Sportstunden werden Sie diese Art der körperlichen Bewegung vielleicht schon garnicht mehr brauchen und sind fit genug, um sich selber zu trainieren.

Lesen Sie zum Koronarsport auch unsere Infos über den Herzsport, die Sie auch bei uns im Internet bekommen können.

Was darf ich nach meiner Entlassung zu Hause machen?

Nach einer Herzoperation sollten folgende Grundsätze berücksichtigen:

  • Stehen Sie morgens nicht zu früh auf, schlafen Sie aber auch nicht bis in den späten Vormittag.
  • Duschen Sie oder nehmen Sie ein Bad.
  • Ziehen Sie Straßenkleidung an (Verbringen Sie den Tag nicht im Schlafanzug oder Nachthemd!).
  • Gönnen Sie sich am späten Vormittag oder Mittags eine kleine Ruhepausen, wenn Sie sich zuvor belastet haben. Solche Ruhephasen nach körperlichen Belastungen sind wichtig und hilfreich. Wenn Sie einen Spaziergang unternommen haben, halten Sie ein kleines Nickerchen, wenn Sie wieder zu Hause sind. Sie werden von Tag zu Tag kräftiger und belastbarer werden und Spaziergänge in frischer Luft gehören zu den gesündesten und besten Aktivitäten, die Sie unternehmen können.

Sobald Sie es sich zutrauen können Sie auch:

  • bei der Hausarbeit helfen
  • ins Theater, Kino, Restaurant oder in die Kirche gehen
  • einkaufen gehen
  • eine Spazierfahrt im Auto machen (aber zuerst noch nicht selber fahren!) oder
  • Treppen steigen.

Unternehmen Sie alles, wozu Sie Lust haben, aber lassen Sie alles zunächst langsam angehen und übertreiben Sie nichts.

Ihre Spaziergänge sollten, sobald Sie es sich zutrauen ausgedehnt sein (vielleicht 3 - 4 km lang). Gehen Sie niemals in Hast oder mit übertriebenem Ehrgeiz, sondern gehen Sie entspannt und genießen Sie es. Marschieren Sie nicht: Gehen Sie.

Wenn es besonders warm oder kalt ist, unternehmen Sie keine Spaziergänge über freiem Feld, wo Sie der Witterung ausgesetzt sind. Gehen Sie im Wald oder in der Stadt. Extreme Temperaturen fordern nämlich Ihrem Körper große Kräfte ab, die Sie vielleicht noch nicht haben. Es wäre also unvernünftig, bei extremen Außentemperaturen über allzu große Entfernungen zu gehen.

Wann kann ich wieder Sex haben?

Sobald Sie möchten und sobald Sie wieder Lust danach verspüren. Es gibt keine Einschränkungen.

Auch Viagra® oder ähnliche Medikamente sind grundsätzlich erlaubt; sprechen Sie Ihren Hausarzt oder Kardiologen darauf an!

Muß ich beim Autofahren aufpassen?

Meistens können Sie wieder mit dem Auto fahren, sobald Sie es sich zutrauen. Erfahrungsgemäß können Sie 3 - 4 Wochen nach einer Herzoperation, also nach der Rückkehr aus der Anschlußheilbehandlung und sofort nach der Rückkehr nach TAVI oder MitraClip®-Behandlung auch wieder Autofahren. Fragen Sie in jedem Fall Ihren Arzt, bevor Sie die erste Fahrt als Fahrer antreten möchten

In welchen Abständen sollte ich mich nachher vom Arzt untersuchen lassen?

Es ist notwendig, in regelmäßigen Abständen Untersuchungen Ihres Herzens durchführen zu lassen, mit denen überprüft wird, ob der erfolg der Behandlung anhält. Hierzu dienen

Herzkatheteruntersuchungen werden nach einer Herzklappen-Operation nur in speziellen Situationen durchgeführt, keineswegs aber “routinemäßig” nur um zu prüfen, ob die Klappenprothese ordentlich arbeitet. Bei solchen Kontrolluntersuchungen wird man auch mit Laboruntersuchungen und Blutdruckmessungen prüfen, wie Ihre Risikofaktoren sind.

Solche Kontrolluntersuchungen sollten nur von Ärzten durchgeführt werden, die Erfahrung mit der Überwachung von Menschen haben, die am Herzen operiert worden sind. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt und Kardiologen darüber, in welchen Abständen solche Kontrolluntersuchungen stattfinden sollten. Ihre Risikofaktoren und den INR-Wert sollten Sie allerdings auch zwischendurch überprüfen lassen.

Was ist mit dem Geklappere der künstlichen Herzklappe?

Künstliche Herzklappen verursachen Geräusche. Das Öffnen und Schließen der Klappenprothese kann man in vielen Fällen als metallisches Klacken hören. Diese Geklacke ist bei jedem Menschen unterschiedlich laut:

Bei dem Einen können es andere Menschen schon außerhalb des Körpers hören, bei Anderen hört es nur der Arzt mit aufgesetztem Stethoskop. Einige Menschen hören die Geräusche ihrer eigenen Klappenprothese überhaupt nicht, andere sehr wohl.

Diese unterschiedliche Empfindung der Prothesengeräusche haben nicht mit dem Gewicht eines Menschen zu tun: Bei dünnen Menschen hört man oft nur sehr wenig, bei kräftigeren Menschen ist das Klacken gut wahrnehmbar.

Sie, der betroffene Patient, in dessen Brust eine künstliche Herzklappe schlägt werden sich sehr schnell daran gewöhnen und die Klappengeräusche schon nach ganz kurzer Zeit garnicht mehr wahrnehmen.

Etwas anderes kann es aber mit Ihrem Mann (bzw. Ihrer Frau) sein, wenn er (oder sie) nachts neben Ihnen im Bett liegt: Hier kann das Klappengeräusch den Partner schon nervös machen oder irritieren. Aber, ehrlich gesagt, auch Ihr Partner wird sich daran gewöhnen und das Geräusch schließlich auch nach kurzer Zeit nicht mehr störend empfinden. In all den Jahren, in denen ich mit Patienten zu tun habe, denen künstliche Herzklappen eingepflanzt werden mußten kann ich mich an niemanden erinnern, bei dem diese Geräusche zu einem Problem geworden wären. Und über Ehescheidungen oder den Auszug aus dem Doppelbett im Schlafzimmer kann ich auch nichts berichten!

Die oben beschriebenen Klappengeräusche treten natürlich nur bei den künstlichen Klappenprothesen, nicht aber bei den biologischen Klappen auf!

Wie lange hält eine neue oder reparierte Herzklappen?

Ob und wie lange das Behandlungsergebnis hält hängt davon ab, welche Herzklappenprothese implantiert wurde. „Künstliche“ Herzklappen halten ein Leben lang, biologische Prothesen etwa 15 - 18 Jahre. Das Problem bei einer TAVI ist, daß augenblicklich niemand genau weiß, wie lange diese Klappen halten werden. Operativ implantierte Klappen werden nämlich so implantiert, wie sie aus ihrer Fabrik und ihrer Verpackung genommen wurden; TAVI-Klappen hingegen sind vor der Implantation auf die Katheterspitze „gequetscht“ worden und sie entfalten sich erst dann, wenn der Ballon aufgeblasen bzw. die Schutzhülle der Klappe entfernt wurde und die Klappenprothese dann „mit Gewalt“ eingepflanzt wird. Ob die Lebensdauer solcher Klappen durch die „Gewaltanwendung“ ihrer Implantation verkürzt wird oder nicht kann man im Moment noch nicht beurteilen. Nach ersten Eindrücken scheinen diese Klappen aber dieselbe Lebensdauer zu haben wie die konventionell implantierten Klappen.

Wie lange die mittels MitraClip® reparierten Klappen halten ist derzeit noch völlig unbekannt. Die Langlebigkeit der Klappenreparatur wird hier sicherlich durch die zugrunde liegende Herzerkrankung beeinflußt.

Es gibt leider keinerlei Möglichkeit, die Lebensdauer biologischer Klappenprothesen etwa durch bestimmte Medikamente, durch eine bestimmte Ernährung oder durch bestimmte Verhaltensweisen zu verlängern. Gerade wenn eine biologische Herzklappe implantiert wurde ist es von besonderer Bedeutung, daß Sie sich regelmäßig von einem Kardiologen untersuchen lassen, damit festgestellt werden kann, wann die Klappe verbraucht und evtl. erneut ausgetauscht werden muß.

Übrigens: Wenn Ihnen mittels konventioneller Herzoperation oder TAVI eine biologische Herzklappe implantiert wurde kann man auch versuchen, mittels TAVI erneut und zum 2. Mal eine Klappenprothese zu implantieren („Klappe-in-der-Klappe“). Dies wird heute bereits (wenn auch nur selten und in sehr speziellen Fällen) durchgeführt. Angesichts der Entwicklung auf dem Gebiet der TAVI bin ich aber sehr zuversichtlich, daß dies in einigen Jahren sehr gut und vielleicht sogar routinemäßig möglich sein wird.

So, und nun wünsche ich Ihnen alles Gute für Ihre Behandlung. Haben Sie nicht allzu viel Angst, vertrauen Sie sich dem Team der Herzchirurgen oder Kardiologen an, die solche Eingriffe täglich durchführen und Routine darin haben. Sie werden sagen, ich hätte gut lachen, denn ich (der Autor dieser Broschüre) muß ja schließlich nicht operiert werden. Das stimmt natürlich, aber ich habe im Laufe meines Lebens viele Menschen getroffen, die diesen Schritt haben unternehmen müssen. Und daher weiß ich, daß die Weisheit, die wir hier im Rheinland haben stimmt: „Et hätt noch immer joot jejange“ (Auf Deutsch: „Es ist noch immer gut gegangen“).